Ethik
"Mehr Engagement gegen Tropenkrankheiten"
Berlin, Hamburg (epd). Forscher fordern mehr deutsches Engagement im Kampf gegen die sogenannten "vernachlässigten Tropenkrankheiten" wie Bilharziose, Lepra, Dengue-Fieber oder Tollwut. Die Forschungsförderung in diesem Bereich liege in Deutschland deutlich hinter Ländern wie den USA, Frankreich oder Großbritannien, sagte der Leiter der Abteilung Infektionsepidemiologie des Hamburger Berhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin, Jürgen May, bei der Vorstellung einer Studie zur Einschätzung des Beitrags deutscher Institutionen im Bundesforschungsministerium in Berlin.

Nach Angaben des Deutschen Netzwerks gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten haben weltweit rund 1,5 Milliarden Menschen mindestens eine dieser Krankheiten - die meisten leben in Afrika und Südamerika. Ziel sei es, 20 Erkrankungen "in einem überschaubaren Zeitrahmen" auszurotten oder zumindest besser unter Kontrolle zu halten, heißt es in der Studie.

May sagte, an manchen Orten sei eine "eisgekühlte Cola leichter zu bekommen als Medikamente". Er und 34 weitere an der Studie beteiligte Forscher setzen sich dafür ein, dass Deutschland mehr Engagement bei der Entwicklung von Diagnostika, Impfstoffen und Medikamenten zeigt. Im Koalitionsvertrag haben Union und SPD angekündigt, in die öffentliche Forschung zu investieren, "um insbesondere vernachlässigte und armutsbedingte Krankheiten zu bekämpfen". Der Umfang der Förderung dieses Teilbereichs wird nicht genannt. Das Forschungsministerium will die Studie aber bei künftigen Planungen berücksichtigen.