Kirche
Lübecker Kreuzweg: Protest gegen Antisemitismus
Lübeck (epd). Mehrere hundert Menschen sind am Karfreitag auf dem traditionellen Kreuzweg durch Lübeck gezogen. Unter dem Motto "Ihr werdet meine Zeugen sein!" protestierten sie gegen zunehmende Gewalt und Hass gegen Minderheiten in Europa und aller Welt. "Christus gibt Kraft, es aufzunehmen mit den Despoten unserer Zeit", sagte Kirsten Fehrs, Bischöfin für Hamburg und Lübeck, an der ersten Station des Kreuzweges an der Kirche St. Jakobi.

Es sei bedrückend, wie antisemitische Angriffe und Hass wieder zunehmen, auch in Deutschland, sagte Fehrs. Dabei sei es nicht leicht, den Antisemitismus einer bestimmten Ideologie zuzuordnen. Mal sei er rechtsextremistisch motiviert, mal islamistisch - "ein diffuser Vormarsch der Gewalt, in Taten wie in Worten", so die Bischöfin. Auch populistische Parolen seien zum Teil in der Mitte der Gesellschaft angekommen: "Das Gebrüll verdrängt viel zu oft den Dialog."

Der Karfreitag erinnere daran, dass Jesus Christus sich auch am Kreuz nicht habe beugen lassen. Vielmehr stehe er für einen Glauben, der "mit einer unbändigen Hoffnung Gewalt niemals mit Gewalt beantwortet oder Hass mit Hass", sagte die Bischöfin. Sondern er habe gesagt: "Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun."

Auch der katholische Hamburger Erzbischof Stefan Heße beklagte, dass religiös motivierte Auseinandersetzungen und Gewalt an religiösen Menschen – egal ob an Christen, Juden oder Muslimen - wieder zunehmen. "Es muss immer um den konkreten Menschen gehen, um sein Recht auf Schutz oder die freie Ausübung seiner Religion", sagte Heße.

Dieses Recht werde im Moment zum Teil stark hinterfragt, etwa in Diskussionen, welche Religion zu Deutschland gehört. Das sei "befremdlich", denn es führe zu pauschalen Verurteilungen und werde den Menschen nicht gerecht. "Wir müssen dem entgegenstehen und uns stattdessen für die Würde und Freiheit jedes einzelnen Menschen einsetzen", appellierte der Erzbischof.