Soziales
Kassenärztliche Vereinigung setzt auf Ärztezentren auf dem Land
Kiel (epd). Die Kassenärztliche Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH) will den Ärzte- und Praxismangel insbesondere in ländlichen Regionen verhindern. Dazu sollen verstärkt Hausarztzentren in Kleinstädten mit einer Einwohnerzahl von 3.000 bis 5.000 Menschen geschaffen werden, die wiederum Zweigpraxen in der Fläche unterhalten. Derzeit gibt es fünf solcher Zentren im nördlichsten Bundesland, teilte die KVSH-Vorstandsvorsitzende Monika Schliffke in Kiel mit.

Schliffke verwies weiter auf das Büsumer Modell. Hier existiert die erste Praxis in Deutschland, die nicht einem oder mehreren Ärzten gehört, sondern der Gemeinde. Alle Ärzte sind dort Angestellte.

Rund 5.400 niedergelassene Ärzte, Fachärzte und Psychotherapeuten gibt es in Schleswig-Holstein, die in etwa 3.800 Praxen aktiv sind. Sie haben pro Jahr 18 Millionen ambulante Behandlungsfälle zu bewältigen. Rund 250.000 Patienten wurden im vergangenen Jahr (2016) im ärztlichen Bereitschaftsdienst außerhalb der Praxisöffnungszeiten gezählt. Noch sind die Menschen in Schleswig-Holstein gut mit Ärzten versorgt, sagte der Vorsitzende des Hausärzteverbandes, Thomas Maurer. Die Zukunft aber könnte eher düster aussehen, wenn nicht gegengesteuert wird.

Jeder dritte der knapp 2.000 Hausärzte ist derzeit älter als 60 Jahre. Auch bei den Fachärzten gibt es Gruppen mit einem Anteil älterer Mediziner, zum Beispiel Nervenärzte. All diese Ärzte werden voraussichtlich in den kommenden Jahren ihre Praxis aus Altersgründen aufgeben, hieß es. Also muss Nachwuchs her. Dieser hat aber nach Angaben der KVSH oft andere Erwartungen als die bisherigen Ärzte. Schliffke und Maurer verwiesen auf eine Befragung junger Mediziner. 87 Prozent von ihnen hält demnach die Vereinbarkeit von Familie und Beruft für besonders wichtig.

Die Anstellung von Ärzten in Praxen ist in Schleswig-Holstein keine Zukunftsmusik mehr. Bereits jeder fünfte Arzt ist bei selbständigen Berufskollegen angestellt, davon 54 Prozent in Teilzeit. Rund 270 Zweigpraxen, oft mit eingeschränkten Öffnungszeiten, leisten auf dem Land einen Beitrag zum Erhalt der flächendeckenden Versorgung. Weiter gibt es 160 sogenannte "nicht-ärztliche Praxisassistentinnen", die Hausärzte durch Übernahme von Routine-Hausbesuchen entlasten. Tendenz steigend. Auch Telemedizin und Apps sollen künftig die Versorgung stabilisieren.