Kirche
Joggen auf dem Weg zu Gott
Hamburger City-Kirche St. Petri übt das «spirituelle Laufen»
Hamburg (epd). Christen beten im Sitzen, im Stehen oder kniend. An der Hamburger Alster üben sie jetzt, wie man beim Laufen betet. Die City-Hauptkirche St. Petri bietet erstmals einen Kurs «Spirituelles Laufen» an. Beim Laufen verschwinde die Abgrenzung des Einzelnen nach außen, sagt Frank Hofmann (48), Chefredakteuer von «Runner's World», Marathon-Läufer und promovierter Philosoph. «Ich werde eins mit Gott und der Welt.»

Laufen sei ursprünglich eine kultische Handlung gewesen, erläutert Hofmann in seiner Einführung. Schon die ägyptischen Pharaonen sollten bei ihrer Thronbesteigung mit einem Lauf nicht nur ihre körperliche Fitness demonstrieren und sondern auch seelische Energie aufladen. Wer bei den antiken Olympischen Spielen gewann, bekam keine Goldmedaille, sondern durfte im Tempel ein Licht anzünden. Im Neuen Testament (1. Korinther 9,24) gilt der Läufer als Vorbild für ein christliches Leben.

Dass Joggen gut ist gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stress, Rückenschmerzen und Demenz, sei wissenschaftlich erwiesen, sagt Hofmann. Weniger bekannt sei jedoch die geistliche Wirkung. Beim Laufen könne der Körper als Gottes Schöpfung erfahren werden. «Gottesgeschenke» wie Dankbarkeit, Großzügigkeit, Vergebung und Freiheit seien spürbar. Wichtig beim spirituellen Laufen sei, den eigenen Körper nicht durch ein zu hohes Tempo zu überfordern.

Hofmann hat eine eigene Liturgie für seine Lieblingsstrecke im Hamburger Jenisch-Park entwickelt: Nach dem Einlaufen von rund 15 Minuten spricht er das «Vater Unser». Anschließend meditiert er über einen ausgewählten Bibel-Text und hört dann geistliche Musik. «Da hat man seinen Ein-Mann-Gottesdienst.» Eigens für Läufer hat Hofmann ein Gebet entdeckt: «Wenn die Sonne uns wärmt und der Regen uns reinigt, wissen wir, dass Du uns berührst.»

St. Petri-Pastor Rolf-Dieter Seemann (59) sieht im Laufen Parallelen zur Liturgie eines Gottesdienstes. Die Dauer sei fest umrissen, die Strecke ausgewählt und meist hat jeder Läufer seine festen Laufzeiten. Seine persönliche Laufstrecke liegt am Elbdeich. Dabei vertieft er sich am liebsten in Psalmen und lernt sie auswendig. Auch seine Fürbitten findet er beim Lauf an der Elbe.

In dieser Woche werden 20 bis 30 «spirituelle Läufer» erstmals gemeinsam die Laufschuhe schnüren. Die meisten sind fit für einen Rundlauf um die Außenalster. Anfänger werden die 7,5 Kilometer noch durch langsames Gehen unterbrechen. Hofmann distanziert sich dabei klar von esoterischen Praktiken. Laufen sei keine automatisierte Technik zur göttlichen Erleuchtung, sagt er. Gott zu erfahren sei auch beim Laufen immer noch Gnade.

Internet: www.spirituelles-laufen.de

Von Thomas Morell (epd)