Umwelt
Fischfang: WWF fordert mehr Kontrollen auf See
Hamburg (epd). Mangelnde Kontrollen auf See verhindern nach Ansicht von Tierschützern die nachhaltige Fischerei in Nord- und Ostsee. "Illegale und nicht gemeldete Rückwürfe von Fisch von deutschen Kuttern gefährden weiterhin die Erholung der Bestände und eine nachhaltige Fischerei", sagte Stella Nemecky, Fischereiexpertin des WWF (World Wide Fund For Nature) in Hamburg.

Fischer haben laut WWF seit zwei Jahren die Pflicht, jeden gefangenen Fisch von quotierten Arten an Land zu bringen. Dieses sogenannte Anlandegebot wurde für die Ostsee bereits 2015 und für die Nordseefischerei schrittweise ab 2016 eingeführt. Doch jetzt werde deutlich, dass die Fischer bei weitem nicht alles mit an Land bringen, was sie laut Gesetz müssten, kritisiert der Umweltverband.

Wissenschaftliche Schätzungen des Hamburger Thünen-Instituts für Seefischerei gehen allein bei der passiven Stellnetz-Fischerei in der westlichen Ostsee von rund zehn Tonnen gefangenen Jungdorschen aus. In den Logbüchern der Fischer würden jedoch nicht einmal 600 Kilogramm auftauchen. Die Befürchtung ist, dass die Jungdorsche weiterhin größtenteils ungemeldet und somit illegal über Bord gehen, weil die Fischer mit ihnen keinen Gewinn machen können.

Lediglich 1,6 Prozent der betroffenen Fangfahrten in der Ostsee würden kontrolliert, so der WWF. In den vergangenen zwei Jahren sei nicht ein einziger mutmaßlicher Verstoß registriert worden. "Die Überprüfungen auf See sind völlig unzulänglich", sagte Fischereiexpertin Nemecky. Doch es sei "grob verlässig", sich auf Meldungen der Fischerei zu verlassen. Die jahrelange Praxis von Rückwürfen ins Meer schaffe sich nicht per Federstrich ab.

Letztlich würden auch die Fischer profitieren, wenn nicht gemeldete Rückwürfe unterbunden würden. Nur so könne eine Übernutzung der Bestände verhindert und die Fischerei in Zukunft gesichert werden. Nemecky: "Mit den mangelhaften Seekontrollen verhindern die deutschen Behörden, dass die eingeführten Schutzmaßnahmen greifen." Dringend nötig sei ein Kontrollmechanismus, der zur Einhaltung der Gesetze beiträgt. Dafür wäre eine Kamera-Überwachung eine gute Lösung, so der WWF.

Die Kontrollen fallen in den Zuständigkeitsbereich der Behörde für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). Im Jahr 2016 fanden rund 15.000 deutsche Fangfahrten in der Nordsee und 22.000 in der Ostsee statt. Dem stehen laut WWF fünf Kontrollfahrzeuge in der Ostsee und zwölf für die Ostsee gegenüber.