Soziales
Experte: Funktionaler Analphabetismus wird sozial vererbt
Hannover, Hamburg (epd). Mangelnde Lese- und Schreibkompetenzen sind nach Expertenansicht abhängig vom familiären Bildungshintergrund. Der sogenannte funktionale Analphabetismus werde "sozial vererbt", sagte der Hamburger Politikwissenschaftler Klaus Buddeberg der "Neuen Presse". Buddeberg forscht am Lehrstuhl für Lebenslanges Lernen zum Thema Analphabetismus.

Unter anderem sei der Anteil von Erwachsenen mit geringen Schreib- und Lesefähigkeiten unter Menschen ohne Schulabschluss besonders hoch, sagte der Forscher. Auch Menschen mit Haupt- oder Volksschulabschluss seien überdurchschnittlich betroffen. Insgesamt leben nach seinen Angaben in Deutschland rund 7,5 Millionen funktionale Analphabeten.

Anders als beim totalen oder primären Analphabetismus könnten die Betroffenen durchaus lesen und schreiben, wenn auch eingeschränkt, erläuterte Buddeberg: "Betroffene Erwachsene bewältigen die Ebene einfacher Sätze, scheitern jedoch an komplizierteren, auch kürzeren Texten. Lesen und Schreiben sind für diese Personen sehr mühsam und fehlerbelastet."

Die verbreitete Vorstellung, dass funktionale Analphabeten ihren Alltag nicht meistern können und von Arbeitslosigkeit oder sozialer Isolation betroffen sind, sei jedoch falsch, betonte der Wissenschaftler: "Mehrheitlich sind die 7,5 Millionen Erwachsenen in Deutschland zum Beispiel erwerbstätig."