Umwelt
Umweltexperten wollen gegen Insektensterben vorgehen
Naturschutzbund: Landwirte für Artenschutz belohnen
Hannover (epd). Umweltexperten aus Niedersachsen wollen mit einem abgestimmten Konzept gegen das massenhafte Insektensterben vorgehen. "Die Meldungen über bis zu 80-prozentige Rückgänge der Bestände bei Bienen, Faltern und anderen Insekten sind erschreckend", sagte Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) am Sonntag in Hannover. "35 Prozent unserer Nahrung sind davon abhängig, dass Insekten die Pflanzen bestäuben." Es könne "brutale Folgen" haben, wenn diese als selbstverständlich empfundene Leistung der Natur plötzlich nicht mehr da wäre. Auch der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) forderte, das Insektensterben entschlossen zu bekämpfen.

Um Schritte zur Förderung von Insekten zu entwickeln, hat das Ministerium einen Expertenkreis mit Vertretern aus Universitäten, Instituten und Behörden berufen. Sie wollen gemeinsam die Ursachen des Insektensterbens untersuchen und fachliche Empfehlungen erarbeiten, wie der Artenschutz gestärkt werden kann. Das Insektensterben habe auch drastische Auswirkungen auf die Bestände von Brutvögeln, erläuterte Wenzel.

Der Minister beauftragte den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz, die Insektenvielfalt wissenschaftlich zu erfassen und zu beobachten. "Das Problem duldet keinen Aufschub", unterstrich er. Insekten seien die artenreichste Gruppe unter den Organismen und zugleich die Gruppe mit den vielseitigsten ökologischen Ansprüchen und Leistungen. "Man kann sagen, sie sind kleinste Tiere mit größten Auswirkungen auf die Balance unseres Ökosystems."

Die Experten sollen unter anderem der Frage nachgehen, wie an Straßenrändern und Feldwegen insektenschonend gemäht werden kann und wie sich die Flächennutzung in Landwirtschaft und Forst optimieren lässt. Zudem müsse der Einsatz von Pestiziden in Feld und Garten so weit wie möglich reduziert werden. Wenzel forderte auch ein umgehendes Ende für das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat.

Der Naturschutzbund forderte, die EU-Subventionen so umzuschichten, dass Landwirte künftig stärker für ihre Leistungen für Natur und Artenvielfalt belohnt werden. "Das Problem wurde zu lange verschlafen", sagte Nabu-Präsident Olaf Tschimpke am Sonntag bei der Bundesvertreterversammlung in Hannover. Nach Nabu-Untersuchungen hat Deutschland vor allem durch das Insektensterben in den vergangenen zwölf Jahren 15 Prozent seiner Vogelbrutpaare verloren. Fast alle betroffenen Arten fütterten ihre Jungen mit Insekten. (5157/05.11.17)