Umwelt
Ein Fischotter im Otterzentrum Hankensbüttel
© epd-bild / Aktion Fischotterschutz
Umweltbildung und Schutz: Otter-Zentrum feiert Jubiläum
Seit Eröffnung vor 30 Jahren mehr als zwei Millionen Besucher
Hankensbüttel/Kr. Gifhorn (epd). Es ist in seiner Art einzigartig in Deutschland und wurde seit seiner Gründung im Mai 1988 eigenen Angaben zufolge von mehr als 2,2 Millionen Menschen besucht: Das Otter-Zentrum im niedersächsischen Hankensbüttel hat am Sonntag sein 30-jähriges Bestehen gefeiert. Auf einem sechs Hektar großen Freigelände am Isenhagener See sind neben den immer noch seltenen Ottern auch seine nächsten Verwandten aus der Familie der Marder zu sehen. Gezeigt werden auch Otterhunde, eine vom Aussterben bedrohte Hunderasse.

Dem Naturerlebniszentrum geht es in erster Linie um Umweltbildung und in diesem Zusammenhang darum, ein Verständnis für heimische Lebensräume zu entwickeln - von klein auf. So gibt es besondere Angebote für Kita-Gruppen und Schulklassen. "Bei den Fütterungen von Otter, Dachs, Hermelin, Steinmarder, Iltiss, Nerz, Mink und Baummarder wird das Interesse der Gäste in unterhaltsamer Weise von den Tieren auf die einheimischen Lebensräume gelenkt", erläuterte Leiter Oskar Kölsch.

Träger des Zentrums ist der Verein "Aktion Fischotterschutz", dessen Vorstandsvorsitzender Kölsch ist. Ein Verdienst des Naturschutzverbandes ist nach seinen Worten, dass die Rückkehr des Fischotters inzwischen "zu einer echten Erfolgsgeschichte im Naturschutz geworden ist" und das Raubtier so populär und bekannt sei.

So kaufte oder pachtete das Otter-Zentrum an verschiedenen Orten in Niedersachsen Flächen an Gewässerläufen, um sie zu Otter-Ruheräumen zu entwickeln. Ein Beispiel dafür ist das kanalisierte Gewässersystem der Ise in der Nachbarschaft des Zentrums, das mit Unterstützung des Bundesumweltministeriums teils revitalisiert und naturnah gestaltet wurde: Rund 500 Hektar landwirtschaftliche Flächen am Fluss hat der Verein aufgekauft und größtenteils in Grünland umgewandelt. Auf 46 Kilometern entstanden ungenutzte Uferrandstreifen.

Mit Unterstützung des Zentrums wurden überdies Fischreusen entwickelt - mit Notausgängen für Otter, um zu verhindern, dass die Tiere in den Fanggeräten verenden. Im Auftrag der Autoindustrie forschte die Einrichtung an Strategien, um zu verhindern, dass Marder Schläuche und Kabel durchbeißen. Auf dem Erreichten wolle sich das Zentrum aber nicht ausruhen, sagte Kölsch: "Die Fläche wird im nächsten Jahr erweitert."

Bevorzugter Lebensraum der Otter sind flache Flüsse mit zugewachsenen Ufern und Überschwemmungsebenen, die selten geworden sind. Fischotter seien in der Vergangenheit besonders wegen ihres wertvollen Fells und als Konkurrent der Fischereiwirtschaft stark bejagt worden, heißt es im Artenlexikon der Umweltstiftung WWF Deutschland.

Außerdem seien vor allem die Gewässerverschmutzung und die Anreicherung landwirtschaftlicher Chemikalien in den Beutetieren des Fischotters Gründe für das lokale Aussterben ihrer Populationen. Dank zahlreicher Naturschutzmaßnahmen und dem Verbot gefährlicher Pestizide habe sich ihr Bestand seit einigen Jahren vor allem in Westeuropa erholt. (6063/06.05.2018)

Von Dieter Sell (epd)