Soziales
Schulalltag in einer Klasse der Grundstufe der Wichernschule in Nieder Ramstadt, einer Sonderschule der "Nieder Ramstädter Heime". In dieser vierten Klasse werden 9 Kinder mit unterschiedlich starken geistig und körperlichen Behinderungen unterrichtet. Foto: Lars (9, Downsyndrom) und Lehrerin Marlies Johnson während der Frühstücksstunde.
© epd-bild / Thomas Lohnes
"Touchdown" - Bremer zeigen Ausstellung über das Down-Syndrom
Bremen (epd). Die Bremer "Galerie im Park" zeigt von Sonntag an eine kulturhistorische Ausstellung über das Down-Syndrom. Erstmals wirken dabei Betroffene als Experten in eigener Sache mit. Die Schau unter dem Titel "Touchdown" beschäftigt sich mit der Geschichte und der Entdeckung des Down-Syndroms sowie mit den Lebensverhältnissen der Betroffenen. "Zentrales Thema ist der Umgang mit Menschen, die gehandicapt sind", sagte am Donnerstag Mitorganisator Achim Tischer von der "Galerie im Park".

Die Schau war erstmals in der Bundeskunsthalle Bonn zu sehen. Bremen als zweite Station soll der einzige Ort im Nordwesten Deutschlands sein, an dem die Schau gezeigt wird. Rund 100 Exponate aus Archäologie, Zeitgeschichte, Medizin, Genetik, Film und bildender Kunst geben auf knapp 300 Quadratmetern einen umfassenden Überblick über die Erforschung des Down-Syndroms sowie die Sicht der Betroffenen. Menschen mit Down-Syndrom haben an der Ausstellung aktiv mitgearbeitet. Sie haben unter anderem Texte geschrieben, in denen sie über ihre Lebenswelt berichten.

So geht die Wanderausstellung, die bis zum 27. August zu sehen ist, zum Beispiel den Fragen nach, ob Menschen mit Down-Syndrom wählen, heiraten oder Autofahren dürfen. Auch das dunkle Kapitel der gezielten Ermordung von Menschen mit Down-Syndrom während der Zeit des Nationalsozialismus wird beleuchtet.

"In der Ausstellung werden selbstbewusste und emanzipierte Leute mit Down-Syndrom gezeigt", betonte Kuratorin Katja de Braganca. Sie treten auch als Wissensvermittler auf, indem sie ab dem 28. Mai jeweils sonntags ab 15 Uhr im Tandem mit Führern der "Galerie im Park" Besucher durch die Schau begleiten.

Die Wandtexte sind in klarer, einfacher Sprache gehalten. Erstmals werde durch das Projekt mit seiner etwa dreijährigen Vorbereitungszeit die Geschichte von Menschen mit Down-Syndrom aufgeschrieben, ergänzte Ausstellungsleiterin Henriette Pleiger. In Bonn kamen ihren Angaben zufolge rund 35.000 Besucher. In Deutschland leben etwa 50.000 Menschen mit Down-Syndrom, weltweit sind es nach Schätzungen rund fünf Millionen. Bei Menschen mit Down-Syndrom ist das 21. Chromosom dreimal statt zweimal vorhanden. Daher wird die Behinderung auch als Trisomie 21 bezeichnet. (1227/11.05.17)