Soziales
Terre des hommes: Syrische Kinder werden als Soldaten verkauft
Osnabrück (epd). Nach Unicef hat auch das deutsche Kinderhilfswerk terre des hommes auf die dramatische Lage der Kinder in Syrien aufmerksam gemacht. Immer mehr Kinder litten unter den Folgen des Krieges, weil Krankenhäuser und Schulen und damit lebenswichtige Infrastruktur zerstört würden, sagte Kinderrechtsexpertin Barbara Küppers dem Evangelischen Pressedienst. 75 Prozent der Kinder arbeiteten und hätten zum Teil seit Jahren keine Schule besucht. Milizen und IS-Kampftruppen nutzten die Not aus und kauften Eltern ihre Kinder für den Einsatz als Kämpfer ab. Jungen und Mädchen seien zunehmend sexueller Gewalt ausgesetzt.

"Manchmal fehlen einem einfach die Worte. Das Land wird in dem seit sechs Jahren andauernden Krieg komplett zerstört." Schon vor zwei Jahren hätten die Vereinten Nationen Syrien als den gefährlichsten Ort der Welt für Kinder bezeichnet. "Und es ist seitdem noch schlimmer geworden." Küppers forderte die Weltgemeinschaft auf, sich endlich entschieden für einen Frieden und zumindest einen sofortigen Waffenstillstand einzusetzen.

Terre des hommes arbeite mit Partnerorganisationen in Syrien zusammen und versuche, vor allem Kinder und stillende Mütter mit Nahrung und medizinischer Hilfe zu versorgen, sagte die Expertin. Allerdings gebe es derzeit 13 Gebiete, die völlig abgeschnitten seien von Hilfsleistungen. Dazu gehöre auch die Stadt Deir ez-Zor mit 93.000 Einwohnern, 50 Prozent von ihnen seien Kinder.

Küppers warnte davor, dass die Kinder ihr Leben lang unter den Folgen des Krieges zu leiden hätten, wenn sie nicht angemessen psychosozial versorgt würden. Mindestens 30 bis 40 Prozent hätten klinische Traumata. Terre des hommes leiste psychosoziale Hilfe in Flüchtlingslagern in den syrischen Nachbarländern und auch in Deutschland.

Doch selbst die Hilfe in Deutschland sei nicht ausreichend. Es fehle an Kinderpsychologen und Dolmetschern, sagte Küppers: "Traumatisierte Kinder können keine neue Sprache lernen und sich nicht in ihrem neuen Leben zurechtfinden. Sie haben keinen Platz, etwas Neues aufzunehmen, weil die seelischen Verletzungen alles beherrschen. Manche verstummen, andere werden aggressiv."

Unicef hat in seinem jüngsten Bericht 2016 als das bislang schlimmste Jahr für Kinder in Syrien seit dem Ausbruch des Bürgerkriegs vor genau sechs Jahren bezeichnet. Es hat nach eigenen Angaben Hunderte Fälle dokumentiert, in denen Kinder gewaltsam ums Leben kamen und zum Dienst an der Waffe gezwungen wurden. Das Kinderhilfswerk geht jedoch davon aus, dass die tatsächliche Zahl der schweren Kinderrechtsverletzungen noch deutlich höher ist. (3121/13.03.17)

epd-Gespräch: Martina Schwager