Soziales
Die langjaehrige Leiterin des Bremer Landesjugendpfarramtes, Pastorin Ruth Fenko (65, Foto vom 20.12.17) geht Ende des Jahres in den Ruhestand.
© epd-NDS / epd-bild/Dieter Sell
Scheidende Jugendpastorin Fenko fürchtet um sozialdiakonische Arbeit
Bremen (epd). Bremens scheidende Landesjugendpastorin Ruth Fenko (65) fürchtet angesichts mittelfristig rückläufiger Finanzen um die Zukunft sozialdiakonischer Projekte in der Bremischen Evangelischen Kirche. "Wenn da stark gekürzt wird, kommt der Bereich ins Hintertreffen", warnte Fenko im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Im November hatte das Parlament der bremischen Kirche Vorschläge diskutiert, nach denen unter anderem in der Jugendkirche der Hansestadt und im kirchlichen Arbeitslosenzentrum Personalmittel in erheblichem Umfang reduziert werden sollen.

Alleine bei der Jugendkirche ist ein Minus von jährlich rund 100.000 Euro im Gespräch - und damit eine Kürzung des Personaletats um mehr als die Hälfte. Die Jugendkirche sei ein wichtiges Experimentierfeld für neue spirituelle Angebote, sagte Fenko, die Ende des Jahres in den Ruhestand geht. Ihr Nachfolger ist Pastor Uwe Andratschke (47), der seit 2008 als Gemeindepastor in Bremen-Kattenesch arbeitet.

Fenko ist die erste Frau in der bremischen Kirche, die das Landesjugendpfarramt und überhaupt ein kirchliches Amt in Bremen geleitet hat. Sie hat die Stelle seit November 1994 inne und damit länger als jeder ihrer Vorgänger. Wie zu Beginn ihrer Arbeit gebe es auch heute in den meisten der 61 Gemeinden der Bremischen Evangelischen Kirche lebendige und ideenreiche Jugendarbeit und Arbeit mit Kindern, bilanzierte die leitende Theologin.

"Zuerst habe ich geglaubt, dass sich der Erfolg von Jugendarbeit in erster Linie an Konzepten entscheidet", blickte Fenko zurück. "Konzepte sind zweifellos wichtig. Aber daneben kommt es sehr auf den Menschen an, ob er in seiner Arbeit Funken sprüht und glaubwürdig ist. Es ist nicht die theologisch saubere Predigt, die zum Mitmachen einlädt. Was Kirche eigentlich ist, ist ablesbar an den Menschen, die von der Botschaft Jesu geprägt sind und die etwas von sich selbst zu erkennen geben."

Jugendliche wollen Fenko zufolge in der Regel nichts Fertiges vorgesetzt bekommen, sondern gestalten. "Eigene Ideen umsetzen, erleben, dass ich selbst etwas bewirken kann - das ist es, was Heranwachsende fasziniert, was sie dabei unterstützt, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden."

Das bilde sich längst in der kirchlichen Jugendarbeit ab, die meist auf zeitlich befristete Projekte setze. "Es gibt aber auch noch einige herkömmliche wöchentlich zusammenkommende Gruppen. Und immer noch kommen viele junge Ehrenamtliche, die gern in ihrer Gemeinde Verantwortung übernehmen." Doch so oder so gelte in der Arbeit mit jungen Leuten: "In erster Linie ist nicht die Redeperspektive wichtig. Es ist die Handlungsperspektive, das Vorbild, das Leben aus Überzeugung."

epd lnb sel mir

epd-Gespräch: Dieter Sell