Kirche
Polizeiseelsorger: Beamte sind Hass und Gewalt ausgesetzt
Hannover, Osnabrück (epd). Der evangelische Polizeiseelsorger Frank Waterstraat beobachtet eine zunehmende Respektlosigkeit und Gewaltbereitschaft gegenüber Polizeibeamten. Von einigen gesellschaftlichen Gruppen, wie etwa besonderen Fußball-Fangruppen oder politischen Extremisten schlage der Polizei sogar offener Hass entgegen, sagte der leitende Polizeiseelsorger der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Aber auch manchem Bildungsbürger fehlt etwa bei Geschwindigkeitskontrollen die Einsicht, dass wir in einer komplexen Gesellschaft eine Ordnungsmacht brauchen."

Bei Fußballspielen oder politischen Demonstrationen gebe es zum Teil "ein für mich nicht mehr nachvollziehbares Maß an Aggressivität und Verachtung. Dass in der Uniform ein Mensch steckt, gerät dabei vollkommen aus dem Blick", sagte der Pastor am Donnerstag am Rande des Landesdelegiertentages der Gewerkschaft der Polizei Niedersachsen in Osnabrück. Waterstraat referierte dort über die "Bewältigung von Einsätzen mit hoher Eigengefährdung".

Die Beamten seien allein dadurch sehr belastet, dass sie sich häufig in Kraftfeldern mit sehr widerstreitenden gesellschaftlichen Standpunkten bewegten, betonte der Theologe. Wenn etwa Anhänger ausländerfeindlicher Bewegungen und Demonstranten von Flüchtlingsinitiativen aufeinanderträfen, stünden sie häufig dazwischen, um die Parteien voneinander zu trennen. "Da werden dann Konflikte im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Rücken der Polizei ausgetragen".

Er erlebe auch angesichts der gestiegenen Bedrohung durch Terroranschläge "ein hohes Maß an Nachdenklichkeit - und zwar vom Landespolizeipräsidenten bis zum jungen Kommissar", sagte Waterstraat. Gleichzeitig seien die Beamten in großer Zahl bereit, sich für den Einsatz zur Bekämpfung von Terrorismus fortbilden zu lassen. Führungskräfte organisierten dafür hoch qualifizierte Fortbildungen.

Der Polizeiseelsorger hält neben einer entsprechenden Ausrüstung etwa mit Schutzkleidung und Waffen und einer operativ-taktischen Planung auch die psychologische Vorbereitung auf solche Einsätze für "immens wichtig". Zum Schutz vor Traumatisierungen und zur Bewältigung von extremen Stress-Situationen müssten die Beamten sich mental darauf einstellen können, dass solche Einsätze möglich seien. "Es ist entscheidend zu wissen, in welche Situationen ich geraten kann und welche Handlungsmöglichkeiten ich habe."

Darüber hinaus sei auch der Rückhalt der Polizei in der Gesellschaft und in der Politik notwendig, forderte Waterstraat: "Es muss deutlich werden, dass polizeiliches Handeln in unserer Demokratie auf dem Boden des Grundgesetzes passiert und dem Schutz der Gesellschaft dient." (9051/09.11.17)

epd-Gespräch: Martina Schwager