Kultur
Deutschsprachige Bibeluebersetzungen aus der reformatorischen und nachreformatischen Zeit in einer Bibelausstellung der Universitaets- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt in Halle (Foto vom 06.04.2017: die Ungarische Bibliothek).
© epd-bild / Maike Gloeckner
Philosoph erhält Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken
Bremen (epd). Der französische Philosoph Etienne Balibar erhält in diesem Jahr den mit 10.000 Euro dotierten Bremer Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken. Balibar setze sich kritisch mit den strukturellen Schwächen der liberalen Demokratie auseinander, teilte die Jury am Donnerstag mit. Damit pflege er in seinen Büchern und im öffentlichen Auftreten ein intervenierendes Denken in der Tradition Hannah Arendts. Die Auszeichnung soll am 1. Dezember im Bremer Rathaus überreicht werden.

Balibars Beiträge richteten sich weit über den akademischen Diskurs hinaus an die Öffentlichkeit, sagte die Juryvorsitzende Antonia Grunenberg. Er sei "ein nimmer müder Kämpfer für ein Europa", dessen Staaten und Gesellschaften ihre historischen Chancen immer wieder zu verspielen schienen.

Der 75-jährige Balibar war den Angaben zufolge Schüler und Mitarbeiter des Philosophen Louis Althusser (1918-1990). Bis 2002 lehrte er politische Philosophie und Moralphilosophie an der Universität von Paris-Nanterre. Als emeritierter Professor lehrt er seit den 1990er Jahren auch an mehreren Universitäten der USA. Zurzeit ist er Gastprofessor an der Columbia-University in New York für französische und vergleichende Literatur.

Der Preis erinnert an die in Hannover geborene deutsch-jüdische Politologin Hannah Arendt (1906-1975). Er stellt ihre Überzeugung in den Mittelpunkt, dass der Sinn von Politik Freiheit ist. Zu den bisherigen Preisträgern zählen die russische Menschenrechtlerin Jelena Bonner sowie der frühere Bundespräsident Joachim Gauck. 2016 ging die Auszeichnung an den Berliner Osteuropa-Historiker Christian Teichmann. (0112/10.08.17)