Soziales
Pflegenotstand: Reimann fordert Hilfe vom Bund
Diakonievorstandssprecher begrüßt Appell zu Verbesserungen der Arbeitsbedingungen
Hannover (epd). Der Vorstandssprecher der Diakonie in Niedersachsen, Hans-Joachim Lenke, begrüßt den Appell von Landessozialministerin Carola Reimann (SPD), die Arbeitsbedingungen in der Pflege zu verbessern. Reimann hatte in der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" (Montag) vor einem drohenden "Pflegenotstand" in Niedersachsen gewarnt und eine "konzertierte Aktion aller" gefordert. Lenke unterstrich gegenüber dem epd: "Die Rahmenbedingungen in der Pflege müssen schnell verbessert werden, um Pflegetätigkeiten im Minutentakt zu beenden."

Laut einer auf den Landespflegebericht 2015 gestützten Prognose des Sozialministeriums fehlen in der Altenpflege bis 2030 zwischen 21.000 und 52.000 Mitarbeiter in Niedersachsen. Der Diakonie-Vorstandssprecher mahnte, der Fachkräftemangel sei bereits heute deutlich spürbar. "Sollte es uns heute gelingen, 2.000 zusätzliche Auszubildende für den Pflegeberuf zu begeistern, und ebenso auch diese Ausbildungsplätze einzurichten, stehen uns diese Fachkräfte erst in drei Jahren zur Verfügung."

Lenke forderte deshalb eine wissenschaftlich fundierte Untersuchung zur Versorgung im Land. Diese könne Basis für die Personalentwicklung und Projekte zur Gewinnung von Fachkräften sein. Zum Vorschlag der Ministerin, Teilzeitstellen in Vollzeitjobs auszuweiten, wandte er ein, es gebe Spitzenzeiten der Versorgung. "Ein hoher Anteil an pflegebedürftige Menschen erhält eine Versorgung zu bestimmten Zeiten, überwiegend morgens und abends. Das macht Vollzeitbeschäftigungen ohne geteilten Dienst schwierig."

Reimann hatte in der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" vor Fatalismus gewarnt. "Oft wird die Lage so aussichtslos geschildert, dass man den Eindruck gewinnen könnte, gar nichts mehr wäre möglich", sagte sie. "Aber es gibt noch viele Stellschrauben, an denen wir drehen können." Es gelte, sich mit den Arbeitsbedingungen der Pflegerinnen und Pfleger auseinandersetzen, um mehr Menschen für den Beruf zu gewinnen. Zudem müssten mehr Teilzeitstellen in Vollzeitjobs umgewandelt und der Wiedereinstieg in den Pflegerberuf erleichtert werden. Das Land benötige allerdings bei der Lösung der Probleme Hilfe aus Berlin.

Wichtig ist es der Ministerin zufolge zum Beispiel, dass die Wegezeiten der ambulanten Hilfsdienste besser finanziert werden, die Pflegebedürftige in ihren Privathäusern betreuen. Auch Lenke forderte eine auskömmliche Finanzierung auf der Grundlage transparenter Kostenkalkulation. "Dabei muss der tatsächliche Aufwand refinanziert werden. Auch während der Dienstfahrt werden bei uns die Mitarbeitenden nach Tarif bezahlt." (5168/05.02.18)