Ethik
Ein Paar, Mann und Frau, liegen im Liegestuhl in der Sonne (Archivfoto).
© epd-bild / Jochen Tack
Paarberater: Aufmerksamkeiten sind nicht nur zum Muttertag wichtig
Celle (epd). Blumen, Parfüm und andere Geschenke - die Werbung propagiert: vergesst bloß den Muttertag nicht. Kleine Aufmerksamkeiten gehörten durchaus zur Basis einer Ehe, allerdings nicht nur zu besonderen Tagen, sagte der Leiter des evangelischen Beratungszentrums in Celle, Wolfram Möller am Freitag im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die Eheberater hätten oft mit Paaren zu tun, die solche Formen der Zuwendung nicht mehr beachteten. "Aufmerksamkeiten sind immer wichtig, ob es ein Blumenstrauß ist, ein Streicheln über die Schulter oder auch, ob ausgesprochen und nicht nur gedacht wird: 'schön, dass du da bist'."

Ob der Muttertag angesichts sich wandelnder Rollenbilder überhaupt noch zeitgemäß ist, hängt nach Ansicht des Paarberaters vor allem von der eigenen Einstellung ab. "Die Frage ist nicht, passt das in die Zeit, sondern passt das in mein Leben." Paare sollten sich allerdings darüber verständigen, damit es nicht zu Konflikten kommt.

"Wenn der Tag für die Frau Bedeutung hat, weil sie das von ihren Eltern so kennt, für den Mann aber nicht, kann das schwierig werden", erläuterte Möller. "Dann schenkt er vielleicht nur aus Pflichtgefühl etwas und das merkt sie." Nur wenige Paare redeten darüber. "Aber es ist eine unausgesprochene Vereinbarungssache, wie wichtig es ist, dass so ein Tag gewürdigt wird."

Immer häufiger verbrächten Familien etwa den Muttertag oder den sogenannten Vatertag als Familientag mit gemeinsamen Unternehmungen. Eine gute Idee, findet Möller. Zugleich sollten sich Paare auch gemeinsame Zeit ohne die Kinder einräumen. Was sich Mütter wirklich wünschten, sei dass sie nicht nur als Mutter, sondern weiterhin als Frau wahrgenommen werden. "Die Elternschaft nimmt viel Raum ein", sagte er. Dennoch sollten sich Paare zwei bis dreimal in der Woche Zeit nehmen, um etwa ins Kino zu gehen, miteinander zu sprechen, zu Kuscheln und auch die Sexualität nicht einschlafen zu lassen.

Junge Mütter wünschten sich überdies Unterstützung bei der Versorgung der Kinder. Wenn die Väter in Elternzeit gingen, begrüßten das viele. Gleichzeitig sei es für die meisten Mütter noch selbstverständlich, dass sie in den ersten Monaten für ihr Kind da sind und eine berufliche Auszeit nehmen. "Das scheint mir wie ein Naturgesetz zu sein", sagte Möller. Der Muttertag zementiere deshalb weniger ein tradiertes Rollenbild, als dass er den Blick auf das lenke, was noch weitgehend Realität sei. (1107/11.05.17)

epd-Gespräch: Karen Miether