Kirche
Fastenkalender 2018 von "7 Wochen Ohne". Unter dem Leitwort "Zeig dich! Sieben Wochen ohne kneifen" beginnt am Aschermittwoch (14.02.18) die diesjaehrige evangelische Fastenaktion,
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Nur nicht kneifen
Bundesweite evangelische Fastenkampagne fordert auf: "Zeig dich!"
Bremen, Hannover (epd). Mitten auf einem Feld reißen Vater und Sohn die Arme hoch und ballen ihre Fäuste. Augenmasken und rote Umhänge erinnern ein wenig an Batman und Zorro, starke Männer an der Seite von Unterdrückten und Armen. Mit diesem Motiv wirbt die evangelische Fastenaktion "7 Wochen Ohne" unter dem Motto "Zeig dich!" dafür, sich einzumischen und Flagge zu zeigen. "Sieben Wochen ohne Kneifen" heißt es im Untertitel der Kampagne, die Aschermittwoch startet und bis Ostern läuft.

"Tatort"-Darstellerin Ulrike Folkerts (56) beispielsweise gehört schon seit vielen Jahren zu denen, sie sich nicht wegducken. In Bremen hat sie gerade als Schirmherrin von Verbraucherzentralen und der Organisation "Facing Finance" eine Ausstellung eröffnet, die für eine Altervorsorge auf Grundlage ethisch-ökologischer Standards wirbt. Sie setzt sich aber auch für Kinder ein, engagiert sich für Menschen mit Down-Syndrom und für ein Verbot von Landminen. "Der Mensch existiert am besten, wenn er mit anderen etwas unternimmt, wenn er Dinge bewirkt. Das ist Leben", sagt Folkerts, die im Ludwigshafener "Tatort" die Ermittlerin Lena Odenthal spielt.

Dazu passt das Titelmotiv der Aktion mit Vater und Sohn, die nach den Worten von Arnd Brummer, Geschäftsführer von "7 Wochen Ohne", auf den Kern der Kampagne verweisen: "Hallo, hier sind wir, wir zeigen uns und wir sind auch bereit, uns öffentlich zu positionieren." Den Appell, ehrlich zu sagen, was man denke und nicht zu kneifen, richteten die Organisatoren der Aktion an alle. "Wir denken, dass wir zum Beispiel in Vereinen und Gemeinschaften nicht klarkommen, wenn alle nur die Klappe halten."

Auch eine politische Sache, meint Brummer. Denn die offene demokratische Gesellschaft habe unterschiedliche Perspektiven und Wahrnehmungen: "Die müssen miteinander im Gespräch bleiben - und dazu muss man sich zeigen." Zur Gemeinschaft gehöre der Streit. "Wir möchten darauf Lust machen, sich für andere zu engagieren, dort, wo sie unsere Unterstützung brauchen", ergänzt Münchens Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler, Vorsitzende im Kuratorium der Fastenaktion.

Wer dem folgt, hat auch selbst etwas davon, meint Ulrike Folkerts bei ihrem Besuch in Bremen. "Alle Leute, die ehrenamtlich tätig sind, leben länger", verweist sie auf einschlägige Untersuchungen. Allerdings ist das bei ihr selbst nicht der wichtigste Antrieb, sich einzumischen. "Meine stärkste Motivation ist: Wie super, ich bin nicht ohnmächtig, ich kann etwas bewirken."

Das allerdings sei nicht immer leicht, räumt Breit-Keßler ein. Wer das mitmache, wer sich engagiere oder einen eigenen Weg suche, brauche Mumm in den Knochen. "Den Mut, aus den bequemen Verstecken des Lebens zu kommen, die eigene Wahrheit zu entdecken - und die der anderen."

Das habe viel mit der Fähigkeit zu tun, sich in die Situation anderer einfühlen zu können, meint der Bremer Norbert Kuntze, Initiator der Aktion "Tu was! Zeig Zivilcourage". Doch er schlägt Alarm, beobachtet grundsätzlich eine Entsolidarisierung in der Gesellschaft. "Die Konflikte nehmen zu, die Auseinandersetzungen verschärfen sich auf allen gesellschaftlichen Ebenen, die Kluft zwischen Arm und Reich wird größer."

"Das, was unserer Gesellschaft fehlt, ist, dass sozialer Mut belohnt wird", betont Kuntze, der in dieser Hinsicht Anerkennung vermisst. "Dass es sich lohnt, sich für den Mitschüler einzusetzen, sich gegen Mobbing am Arbeitsplatz zu stellen, sich auf die Seite von Bedürftigen zu schlagen." Eine Sensibilisierung beginne am besten von klein auf. "Rücksichtnahme in der Schule, Fair Play beim Fußball, Respekt gegenüber einem Ausländer - die Vermittlung von Nächstenliebe, Empathie und Hilfsbereitschaft sind Grundsäulen der Zivilcourage und Grundsäulen einer demokratischen und solidarischen Gesellschaft.

Daran arbeitet auch der niedersächsische Diakon und Friedenspädagoge Michael Freitag-Parey, der auf dem Gelände der NS-Gedenkstätte Sandbostel, einem ehemaligen Kriegsgefangenenlager, Workcamps organisiert. "Wir wollen den Jugendlichen Mut machen, sich zu zeigen, sich zu Wort zu melden, anzupacken, mit zu entscheiden", bekräftigt Freitag-Parey. "Die Gesellschaft braucht ein mutiges und klares Engagement in allen Altersstufen und Milieus", unterstützt er den Leitgedanken der Fastenkampagne.

Kampagnen-Chef Brummer ermutigt: "Sieben Wochen ohne Kneifen meint, dass wir nur dann eine Gemeinschaft sind, wenn wir uns im Guten wie in der Auseinandersetzung als Person und als Persönlichkeit zeigen." Also nicht in anonymen Blogs verstecken, sondern im Zweifel mit offenem Visier streiten. Ob man damit immer ankommt? "Darauf ist nun wirklich gepfiffen", winkt Breit-Keßler ab und ergänzt aus der Sicht der Theologin: "Wir sollen nicht farblose Verschiebemasse sein, sondern Salz der Erde und Licht der Welt." (5034/05.02.18)

Von Dieter Sell (epd)