Andere Atomkraftgegner applaudieren laut, als er von Bauernschläue und "Wendländischer Ingenieurskunst" spricht, mit der die Pyramide konstruiert gewesen sei. Helfer der Landwirte öffneten nach zähen Verhandlungen den komplizierten Mechanismus, an dem die Polizei zuvor lange gescheitert war. "Zwischendurch gibt es immer mal Punkte, an denen man sich räkeln möchte", sagt der 27-Jährige. Doch insgesamt sei es ihm gut gegangen.
Selbst die Polizei äußert Respekt. "Das war die Form von kreativem Protest, die wir von den Landwirten kennen", sagt Polizeisprecher Stefan Kühm-Stoltz, "ganz anders als die Krawalle an anderer Stelle".
Mehrere Generationen der Familie Pothmer engagieren sich gegen die Atomanlagen in ihrer Heimat. Der Vater von Fritz, Heinrich Pothmer, nahm bereits vor mehr als 30 Jahren an einer Demonstration mit Traktoren in Hannover teil. Dort prägte er am 31. März 1979 vor fast 100.000 Menschen auf Plattdeutsch einen legendären Satz: "Wi wullt den Schiet nich hebben, nich hier und nich annerswo."
Zwei Jahre zuvor hatte Niedersachsens Ministerpräsident Ernst Albrecht das Elbdorf Gorleben als Standort für ein "Nukleares Entsorgungszentrum" mit Wiederaufarbeitungsanlage, Endlager und weiteren Anlagen benannt. Nun gab der CDU-Politiker Pläne für eine Wiederaufarbeitungsanlage für Atommüll als politisch nicht durchsetzbar auf. "Wir haben dem allergrößten Wahnsinn die Spitze gekappt", erinnerte sich Heinrich Pothmer später. Er zählt zu den Mitbegründern der Bäuerlichen Notgemeinschaft.
Seit mehr als 580 Jahren und mehr als 20 Generationen bewirtschaften die Pothmers ihr Land. Als Elfjähriger habe er mit angesehen, wie seine Eltern bei Protesten gegen einen Atommüll-Transport nach Gorleben "mit dem Wasserwerfer von der Straße gepustet" wurden, sagt Fritz Pothmer. Vor zwei Jahren sprach auch er in Berlin bei einer Großdemonstration der Atomkraftgegner. Bei seiner spektakulären Aktion in der Nacht zum Montag stand neben seiner Ehefrau und seiner Mutter auch seine Tante, Brigitte Pothmer, hinter der Absperrung an den Schienen. Die Bundestagsabgeordnete der Grünen unterstützt den Neffen: "Das hat viel bewirkt und war zugleich sehr verantwortlich gemacht."
Die Forderungen, die die Bauern an Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) gestellt haben, sind allerdings nicht erfüllt. Sie wollten einen sofortigen Baustopp im Salzstock Gorleben, der nach wie vor auf seine Eignung als atomares Endlager erkundet wird. An den versprochenen Neustart bei der Endlagersuche mögen sie angesichts weiterer elf Castor-Behälter, die jetzt im oberirdischen Zwischenlager in ihrer Heimat eingelagert werden, nicht glauben. Darum hat Fritz Pothmer nach der langen Nacht auch schon wieder etwas vor: "Ich werde weiter auf die Straße gehen."

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