Soziales
Erstklässler mit und ohne Behinderung beim gemeinsamen Unterricht
© epd-bild / Andrea Enderlein
Lebenshilfe und DGB fordern bessere Inklusion Behinderter
Hannover, Hildesheim (epd). Niedersachsen muss sich bei der Umsetzung der Inklusion für Menschen mit Behinderung nach Ansicht des Vereins Lebenshilfe mehr anstrengen. Im bundesweiten Vergleich drohe das Land zurückzufallen, sagte der Vorsitzenden des Lebenshilfe-Landesverbandes, Franz Haverkamp, am Freitag in Hannover. Er äußerte sich anlässlich des Europäischen Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung am 5. Mai. Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) kritisierte am Freitag anlässlich des Protesttages, dass Menschen mit körperlichen oder geistigen Handicaps im Land noch vielfach benachteiligt würden.

Der DGB forderte unterdessen Unternehmen auf, Menschen mit Behinderung bessere Berufschancen zu bieten. Der niedersächsische DBG-Vorsitzende Mehrdad Payandeh mahnte zusätzlich bei der Landesregierung mehr bezahlbaren und barrierefreien Wohnraum an. In Niedersachsen betrage die Beschäftigungsquote von Menschen mit Schwerbehinderung nur 4,2 Prozent. Damit liege sie deutlich unter den gesetzlich vorgeschriebenen fünf Prozent in Betrieben mit mehr als 20 Angestellten. Zugleich fehlten Studien zufolge rund 110.000 barrierefreie Wohnungen im Land. "Unsere Gesellschaft darf keinen im Stich lassen", betonte Payandeh.

Die Lebenshilfe sehe bei Teilhabe behinderter Menschen zwar auch positive Entwicklungen, sagte Haverkamp. Sorge bereite allerdings die Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes in Niedersachsen. Noch immer gebe es keine Einigung in der Landesregierung, wie die Zuständigkeit für die Eingliederungshilfe künftig geregelt sein solle. "Uns läuft die Zeit davon. Die Entscheidung hätte schon im letzten Jahr getroffen werden müssen, damit rechtzeitig zum Januar 2020 das Bundesteilhabegesetz in Niedersachsen Anwendung findet", sagte Haverkamp. Das im Juli 2017 in Kraft getretene Bundesgesetz sieht für die Länder einen Übergangszeitraum von zwei Jahren vor.

Die Diakonie Himmelsthür kündigte am Freitag an, sich mit einer Fotoaktion am Protesttag zu beteiligen. Unter dem Titel "Hand-greiflich" seien im Vorfeld des Tages Fotos von Händen entstanden, denen man nicht ansehe, ob ihre Besitzer ein Handicap haben oder nicht, teilte ein Sprecher am Freitag in Hildesheim mit: "Symbolisch stehen die Hände für alle Menschen und werden am Sonnabend auf unserer Webseite und unserem Facebook-Auftritt präsentiert."

Dem Landesverband der Lebenshilfe gehören nach eigenen Angaben 115 Mitgliedsorganisationen mit etwa 16.500 Einzelmitgliedern an. Der Verein versteht sich als Elternvereinigung, Fachverband und Träger von Einrichtungen für Menschen mit geistiger Behinderung. Der DGB in Niedersachsen vertritt die Interessen von über 681.000 Gewerkschaftsmitgliedern auf landespolitischer Ebene. Er ist die politische Stimme von acht Mitgliedsgewerkschaften. (4109/04.05.2018)

epd lnb bjs mir