Kirche
Abendmahlgottesdienst der anglikanischen Kirche von England und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in der Kaiser-Wilhelm-Gedaechtnis-Kirche am Samstag (27.05.2017) beim evangelischen Kirchentag in Berlin.
© epd-bild / Rolf Zoellner
Landesbischof ermahnt Politiker im Wahlkampf zur Fairness
Hannover (epd). Mit Blick auf die Wahlen im Herbst in Niedersachsen und auf Bundesebene hat der hannoversche Landesbischof Ralf Meister die Politiker zu Fairness ermahnt. "Ich bin besorgt über die persönlichen Verletzungen und Demütigungen der letzten Tage", sagte Meister am Donnerstag dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Wenn wir einen Wahlkampf in diesem Stil erleben, wird dieser das Ansehen der Politikerinnen und Politiker beschädigen", mahnte der evangelische Bischof.

In Niedersachsen soll am 15. Oktober der Landtag neu gewählt werden, nachdem die rot-grüne Landesregierung durch den Übertritt der Abgeordneten Elke Twesten von den Grünen zur CDU ihre Mehrheit verloren hat. Dort haben nach dem Parteiwechsel Twestens nur fünf Monate vor dem ursprünglichen Wahltermin bereits heftige gegenseitige Attacken und Vorwürfe begonnen. Der neue Bundestag wird am 24. September gewählt.

"Was wir brauchen, sind glaubwürdige Politikerinnen und Politiker, denen wir vertrauen können - und die mit dieser Glaubwürdigkeit in den Debatten überzeugen", sagte Meister. Die evangelische und katholische Kirche hätten bereits 2006 ein gemeinsames Wort veröffentlicht. "Darin wird treffend beschrieben, worum es gehen muss", unterstrich der Bischof: "Es dürfen nicht einzig der Machterwerb und Machterhalt im Vordergrund stehen, sondern es muss in der Politik um Werteorientierung und grundlegende politische Tugenden gehen."

Die Politiker sollten in der Auseinandersetzung fair bleiben, betonte Meister. "In Debatten überzeugen nur diejenigen, die persönlich glaubwürdig sind." Allerdings sei nicht allein die Politik gefragt, sich für ein demokratisches Gemeinwesen einzusetzen. Gefordert seien auch die Journalisten, die wahrhaftig, sorgfältig und zugleich mutig und selbstkritisch berichten sollten. Auch Interessensvertreter aus Verbänden, Vereinen oder Bürgerinitiativen sollten sich einbringen, ebenso wie alle Wählerinnen und Wähler.

"Es ist wichtig, das Gespräch mit den Menschen zu suchen, die der Politik nicht mehr vertrauen und bei früheren Wahlen zu Hause geblieben sind", betonte der Bischof. Darum begrüße er es, dass im Wahlkampf wieder verstärkt der direkte Kontakt zu den Wählern an der Haustür gesucht werde. "So kann es gelingen, wieder einen Gesprächsfaden aufzunehmen und verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen." 0064/10.08.17)