Kirche
Kultusminister unterstreicht Bedeutung des Religionsunterrichtes
Theologin: Keiner gibt seine Identität an der Schultür ab
Loccum, Kr. Nienburg (epd). Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) hat den Wert des Religionsunterrichtes an den Schulen unterstrichen. "Ich bin davon überzeugt, dass wir nicht nur religionswissenschaftliches Know-how aus Lexika und Wikipedia brauchen, sondern religiöse Kompetenz, religiöse Reflexionsfähigkeit und religiöse Dialogbereitschaft", sagte er am Donnerstag in Loccum bei Nienburg. Dies müsse in der Schule vermittelt werden. Tonne sprach bei einer Tagung der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen zu Religion und schulischer Bildung.

"Wer meint, das Thema Religion in den Schulen auf einige Unterrichtseinheiten in den Fächern Geschichte, Erdkunde und 'Ethik für alle' reduzieren zu können, wer in der Schule keine Auseinandersetzung mit Religion haben will, der nimmt automatisch unkontrollierbare religiöse Parallelwelten in Kauf", sagte Tonne laut Redetext. Die Auseinandersetzung mit wichtigen Lebensfragen dürfe weder einem boomenden Esoterik-Markt noch weltanschaulich gefährlichen Gruppierungen wie Neu-Germanen oder Satanisten, einer medikamentengestützten Techno-Szene oder salafistischen Predigern in den Hinterhöfen überlassen werden.

Der Religionsunterricht betreibe keine Abschottung und schon gar keine Missionierung, betonte Tonne. Er ermögliche den Schülerinnen und Schülern vielmehr die Auseinandersetzung mit der eigenen konfessionellen Sozialisation und stärke sie in ihrer jeweils individuellen Positionierung zu den Grundfragen des Lebens.

Oberlandeskirchenrätin Kerstin Gäfgen-Track aus Hannover betonte, Religionen und Weltanschauungen seien prägend und durch Schüler, Eltern und Lehrer an den Schulen präsent. "Seine Identität und Persönlichkeit gibt keine und keiner an der Schultüre ab", sagte die Bevollmächtigte der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen für Bildungsfragen laut Redemanuskript. Religionen und Weltanschauungen müssten deshalb an der Schule ihren Ort haben und kritisch reflektiert werden.

Dies sei unverzichtbar für das Zusammenleben nicht nur an der Schule. "Auf dieser Basis kann Gemeinschaft wachsen und der konstruktive Dialog geführt werden." Der Religionsunterricht sei dabei ebenso notwendig wie das Fach "Werte und Normen", sagte die Theologin: "Es muss diese beiden Säulen einer religiösen und einer nicht religiösen Erziehung und Bildung geben." Die Diskussionen um Kreuz, Kippa, Burka und Kopftuch zeigten, dass Unterschiede zwischen den Religionen nur toleriert werden könnten, wenn sie benannt und ihrem Sinn nach verstanden würden. (6226/26.04.18)