Ethik
Flüchtlingsrat fordert stärkere Betreuung von jungen Flüchtlingen
Hannover (epd). Der niedersächsische Flüchtlingsrat hat angesichts einer Studie zur Kriminalität von Flüchtlingen gefordert, die Betreuung von jungen Flüchtlingen zu verstärken. Gerade die Kinder- und Jugendhilfe könne einen "entscheidenden Beitrag in der Gewaltprävention leisten", teilte die Organisation in Hannover mit. Auch schon Volljährige sollten dabei umfassende Unterstützung bekommen.

Die minderjährigen Flüchtlinge erhielten bereits im Rahmen der Jugendhilfe eine umfassende Betreuung unabhängig von ihrem Herkunftsland und der jeweiligen Aufenthaltsperspektive. Dazu gehörten eine organisierte Tagesstruktur, Schulbildung und soziale Vernetzung. Doch diese Betreuung falle in der Mehrzahl der Kommunen ab dem 18. Geburtstag weg, obwohl bei individuellem Bedarf ein rechtlicher Anspruch bis zum 21. Lebensjahr bestehe, kritisierte der Flüchtlingsrat.

Der am Mittwoch veröffentlichte Studie zufolge erhöhen mangelnde Zukunftsperspektiven offenbar die Gewaltbereitschaft unter Flüchtlingen. Demnach hat in Niedersachsen der Zuzug von Flüchtlingen zu einem Anstieg der Gewalttaten geführt. Das Gutachten liefert aber differenzierte Erklärungen: So zeigten die Tätermuster, dass insbesondere diejenigen ohne Bleibeperspektive besonders häufig in der Liste Verdächtiger auftauchten. Zudem sind junge Männer der Studie zufolge besonders häufig straffällig.

Der Flüchtlingsrat unterstrich, die Studie verdeutliche die Auswirkungen der "restriktiven und ungerechten" Flüchtlings- und Aufnahmepolitik in Deutschland. "Sie zeigt auf, dass geringere Aufenthalts- und Integrationsperspektiven eher zu delinquentem Verhalten bei Geflüchteten führen können." Der Aufruf der Autoren an die Politik, Sprach- und Integrationsangebote für alle Flüchtlingsgruppen unabhängig ihrer Aufenthaltsperspektive zu öffnen, sei zu begrüßen. Das Ziel dürfe jedoch nicht die angedeutete Hoffnung auf eine freiwillige Rückkehr der Betroffenen in ihre Herkunftsländer sein. Vielmehr sollten Chancen auf langfristige Zukunftsperspektiven in Deutschland eröffnet werden. (4083/04.01.18)