Ahrend baut in seiner Werkstatt eine neue große Orgel für die evangelische Zionskirche im Künstlerdorf Worpswede. "Das ist eine Rekonstruktion der ursprünglichen Barock-Orgel der Kirche von Dietrich Christoph Gloger", sagt der Orgelexperte stolz. Gloger (1705-1773) wird der Schule des berühmten Orgelbaumeisters Arp Schnitger zugerechnet.
Von 1763 bis 1900 begleitete die Gloger-Orgel den Gemeindegesang der norddeutschen Moorgemeinde am Weyerberg. Dann wurde sie durch eine andere Orgel ersetzt, die den heutigen Ansprüchen einer kunstinteressierten Gemeinde nicht mehr genügt, sagt die Worpsweder Organistin Ulrike Dehning. Das alte Instrument habe bereits eine neue Heimat in Polen gefunden. Im Augenblick muss sich die Musikerin mit einem elektrischen Keyboard begnügen: "Das ist schon eine harte Durststrecke - aber das Ende ist ja in Sicht."
Die neue Königin der Instrumente in ihrem Eichengehäuse füllt den halben Werkstattraum. 1.406 Pfeifen aus Metall und Holz müssen von Hand angefertigt und einzeln vorgestimmt werden. Die kleinste Pfeife ist nur wenige Millimeter groß. Die längste, ein mächtiger Subbass mit dem Ton C, ist mehrere Meter hoch. Zwei Manuale, ein Pedal und 24 Register werden dem Instrument einen unverwechselbaren Klang geben.
"Wir fertigen alles von Hand an", erläutert Ahrend. Selbst die Bleiplatten für die Pfeifen werden in dem Betrieb von Hand auf einem Sandbett gegossen, dass mit Olivenöl getränkt ist. Um die Bleche stabiler und standfester zu machen, werden dem Blei noch die Metalle Zinn und Antimon beigemischt. Anschließend werden die etwa zwei Meter langen Bleiplatten glatt gehobelt. Dabei ist größte Vorsicht geboten: Die dünnsten Platten für die kleinsten Pfeifen sind lediglich einen Viertel Millimeter stark.
Doch über den Klang des rund 500.000 Euro teuren Instruments entscheidet Ahrend letztlich allein. "Orgelbau ist Handwerk und Kunst zugleich." Immer wieder nimmt er einzelne Bauteile aus der Orgel, feilt hier, klopft dort oder schneidet mit einer Säge ein Stück von den hölzernen Schalltrichtern ab. Nach dem Wiedereinbau hört er sich den Ton der Pfeife erneut an. Sein Mienenspiel verrät, wie ihm der neue Klang gefällt.
Auf den Bau dieser Orgel hat sich Arend gründlich vorbereitet. In der Region zwischen Weser und Elbe gibt es nur noch einige wenige Instrumente von Gloger, dessen Werkstatt in Stade stand. Ahrend hat sie alle besucht, bespielt, vermessen und fotografiert. An heutigen Orgeln werden andere Ansprüche gestellt, sagt der Experte. "Früher durften sie nicht zu leise sein." Doch heute sei der Gemeindegesang angesichts der immer weniger werdenden Gottesdienstbesucher eher dünn. "Nun darf sie nicht zu laut sein und soll entspannt klingen", sagt er mit einem Schmunzeln.
Im Februar wird die komplette Orgel wieder in ihre Einzelteile zerlegt und endlich neben Engelsputten und Blumenornamenten von Clara Rilke-Westhoff und Paula Modersohn-Becker eingebaut. Mit einer ganzen Festwoche soll sie dann am 4. März eingeweiht werden.
Und sollte dann in der Kirche der Strom für den Wind in der Orgel ausfallen, wäre das auch kein Problem. Ahrend hat wie die alten Meister einen großen Blasebalg in die Orgel eingebaut. In einem kleinen alten Kabuff hinter der Orgel können dann Konfirmanden wie vor hundert Jahren über ein Pedal den Blasebalg durch ständiges Treten mit Luft füllen. (0018/10.01.12)

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