Kultur
Johannes-a-Lasco-Bibliothek in Emden. (Foto vom 25.07.2006)
© epd-bild / Jens Schulze
Emden zeigt Doppelausstellung zu "Reformation und Flucht"
Emden (epd). Menschenschicksale aus der Reformationszeit stehen ab Sonntag (14. Mai) im Zentrum einer Doppelausstellung in Emden. Unter der Überschrift "Reformation und Flucht - Emden und die Glaubensflüchtlinge im 16. Jahrhundert" führen 15 historische und fiktive Personen die Besucher "am Vorabend der Reformation und in den folgenden Zeiten" durch die Stadt und die Region, sagte Kurator Klaas-Dieter Voß am Mittwoch. Tausende Glaubensflüchtlinge hätten binnen weniger Jahre die kleine Provinzstadt Emden zu einer der größten und wirtschaftlich erfolgreichsten Städte ihrer Zeit gemacht. Die Schau ist mit unterschiedlichen Schwerpunkten in der Johannes-a-Lasco-Bibliothek und dem Ostfriesischen Landesmuseum zu sehen. Sie endet am 5. November.

Gezeigt werde die religiöse Vielfalt und die Toleranz jener Zeit, sagte Voß. Mit einem Audioguide könnten sich die Besucher von einem oder mehreren Charakteren durch die Ausstellung führen lassen. Darunter seien unter anderem der Doktorvater Martin Luthers, Andreas Karlstadt (1486 bis 1541), der einige Zeit in Ostfriesland lebte, eine Emder Bürgerin, die Probleme hatte, ihren alten katholischen Glauben hinter sich zu lassen oder ein fiktiver Junge, der als Glaubensflüchtling in Emden eine neue Heimat gefunden hat.

Um den Besuchern einen Eindruck jener Zeit zu vermitteln, werde die Johannes-a-Lasco-Bibliothek wieder zur katholischen St. Cosmas und Damiam-Kirche. Drei Altäre und ein großes Kreuz zeigten die Frömmigkeit vor der Reformation. Später wurde die Kirche zur "Moderkerk", zur Mutterkirche der evangelisch-reformierten Christen. Ihr Glauben ist geprägt durch die Schweizer Reformatoren Johannes Calvin und Ulrich Zwingli.

Das Ostfriesische Landesmuseum als zweiter Ausstellungsort zeigt die bürgerliche Entwicklung der Stadt in der Reformationszeit. Anhand historischer Kleidungsstücke werde das Ständesystem in der Stadt erläutert, sagte Kurator Matthias Pausch. Außerdem erhielten die Besucher einen Einblick in das Rechtssystem der Friesen, das sich im 16. Jahrhundert noch deutlich von dem im übrigen Reich unterschieden habe. Erst das Festhalten an der Tradition der "Friesischen Freiheit" habe die religiöse Toleranz unter Calvinisten, Lutheranern, Katholiken, Mennoniten und andern Minderheiten ermöglicht.

Begleitet wird die Ausstellung von einem umfangreichen Programm. Es soll in Kürze auf den Internetseiten der Bibliothek, des Landesmuseums und der Stadt Emden veröffentlicht werden. (0253/10.05.17)