Soziales
Schulanfänger mit Schultüten bei der Einschulung in der Grundschule Bennigsen in Springe bei Hannover am 10.08.2013.
© epd-bild / Jens Schulze
Diakonie: Schulanfänger aus armen Familien brauchen mehr Hilfe
Hannover (epd). Die Diakonie in Niedersachsen drängt zum Schulanfang auf mehr staatliche Unterstützung für Familien mit wenig Geld. "Für ärmere Familien besteht ein dringender finanzieller Bedarf bei den Schulmaterialien", sagte Vorstandssprecher Christoph Künkel in Hannover dem epd. Für Kinder von Hartz-IV-Beziehern seien die 100 Euro aus dem Bildungs- und Teilhabepaket der Bundesregierung in keiner Weise ausreichend. "Hier muss sich dringend etwas ändern." Betroffene Familien können sich von den Diakonischen Werken vor Ort beraten lassen.

Die Diakonie erwäge sogar eine Musterklage, kündigte Künkel an. Dafür würden derzeit die Voraussetzungen geprüft und geeignete Familien und Fallbeispiele gesucht. "Die Bildungschancen entscheiden sich ganz früh", unterstrich der Diakoniechef. Schon bei der Einschulung werde die Benachteiligung mancher Kinder deutlich sichtbar. "Armut darf sich nicht vererben." Zum neuen Schuljahr werden in Niedersachsen nach Angaben des Kultusministeriums rund 71.500 Schülerinnen und Schüler am Sonnabend in die erste Klasse eingeschult.

Nach einer Studie des Sozialwissenschaftlichen Institutes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) liegen die tatsächlichen Kosten für den Schulbedarf bei durchschnittlich 153 Euro im Jahr - 53 Euro mehr als den Eltern aus dem Bildungs- und Teilhabepaket zur Verfügung stehen. Besonders hohe Kosten entstehen im Einschulungsjahr mit mehr als 300 Euro. "Eltern sagen, wir schaffen das nicht, sie schämen sich aber auch", sagte Künkel. Die Studie war vor zwei Jahren von der Diakonie in Niedersachsen und der hannoverschen Landeskirche initiiert worden.

Bei Fragen zum Schulbedarf könnten sich Familien auf jeden Fall an die Sozialberatung der Diakonischen Werke vor Ort wenden, sagte Diakonie-Referentin Heike Krause. In manchen Regionen gebe es besondere Hilfemöglichkeiten, Diese seien jedoch von Ort zu Ort unterschiedlich. (3045/03.08.17)