Kultur
Der Stolz der Holländer
Bremer Kunsthalle zeigt niederländische Malerei des Goldenen Zeitalters
Bremen (epd). Mit einer ungewöhnlichen Ausstellung gibt die Kunsthalle Bremen einen umfassenden Einblick in die niederländische Malerei des 17. Jahrhunderts, des sogenannten "Goldenen Zeitalters". Unter dem Titel "Tulpen, Tabak, Heringsfang" sind 32 Gemälde zu sehen, die der Bremer Kaufmann und Verleger Carl Schünemann (94) im vergangenen Jahr dem Haus geschenkt hat. Ergänzt werden sie durch vier Motive, die schon lange im Besitz der Kunsthalle sind. "Die Privatsammlung blieb über Jahrzehnte im Verborgenen und wird nun erstmals zusammen ausgestellt", sagte am Donnerstag Kuratorin Dorothee Hansen.

Die Ausstellung ist von diesem Sonnabend an bis zum 26. August zu sehen und ergänzt den "holländischen Frühling" in der Kunsthalle, der im März mit einer Schau zu niederländischen Meisterzeichnungen eröffnet wurde. Die Schünemann-Sammlung umfasst berühmte Maler wie Jan van Goyen, Salomon van Ruysdael, Adriaen van Ostade und die Künstlerin Rachel Ruysch. "Sie ergänzt unseren Bestand niederländischer Malerei ideal und schließt insbesondere auf dem Gebiet der Blumen-Stillleben und der Genremalerei Lücken", betonte Kunsthallen-Kuratorin Hansen.

Insgesamt schenkte Schünemann der Kunsthalle 34 Gemälde und eine Zeichnung. "Es ist die umfangreichste Gruppe von Werken alter Meister, die der Bremer Kunstverein seit seiner Gründung 1823 erhalten hat", verdeutlichte Hansen. Dabei habe sich Schünemann auf Landschaften, Genrebilder, Stillleben und Seestücke konzentriert. "Sie vermitteln einen guten Einblick in die Geschichte und Kultur der Niederlande, die der bürgerlich-protestantisch geprägten Kaufmannsstadt Bremen eng verbunden waren."

So verweist der Ausstellungstitel "Tulpen, Tabak, Heringsfang" auf die Handelsgüter, die die Niederlande im 17. Jahrhundert reich gemacht und ihre nationale Identität geformt haben. Hansen: "Die Holländer beherrschten damals den globalen Seehandel und waren in Technik, Infrastruktur und Bildung das fortschrittlichste Land der Welt."

Ein Dokument dafür ist das Stillleben, das Jeronimus Sweerts (1603-1636) gemalt hat und das beispielhaft die internationalen Handelsbeziehungen der Niederlande zu jener Zeit veranschaulicht: Auf dem Bild aus dem Jahr 1626 stellt Sweerts einen südamerikanischen Papagei neben Schnecken aus dem Pazifik und aus Kuba sowie Zwiebelpflanzen aus der Türkei, die damals kostbare Sammlerstücke waren. "Die zentrale Botschaft aller Bilder ist der Stolz der Holländer auf ihre Errungenschaften", betonte Hansen.

Manche Bilder ermöglichen einen Blick in die Trickkiste der Künstler. So nutzte Rachel Ruysch den Abdruck eines Schmetterlingsflügels auf der Oberfläche ihres Bildes. Stilllebenmaler verwendeten Darstellungen einzelner Blüten als Vorlagen für mehrere Bilder und kombinierten gleiche Motive zu immer neuen Sträußen und Blumenkörben. "Eine äußerst ökonomische Arbeitsweise", urteilte Kunsthistorikerin Hansen. (5130/05.04.18)

Von Dieter Sell (epd)