Soziales
Jugendliche spielen am 05.06.2015 ein improvisiertes Volleyballmatch. Sechs Wochen Schulferien koennen lang sein und nicht die ganze Zeit ueber ist die Familie verreist. Wie also die gewonnene Freizeit nutzen?
© epd-bild / Stefan Arend
Der perfekte Ferientag
Wietzendorf, Buxtehude, Osnabrück (epd). Für Fabian Mosch hängt es vom Wetter ab, wie der perfekte Ferientag aussieht. Wenn es heiß ist, verbringt er schon mal den ganzen Tag im Freibad, erzählt der Elfjährige. "Wenn es gewittert oder regnet, dann sitze ich am liebsten auf dem Sofa oder vor dem Computer." Sechs Wochen Sommerferien, da bleibt Zeit für das Hobby, für die Freunde oder dafür, einfach mal zu chillen. Experten raten den Eltern, Anregungen zu geben und manchmal auch klare Regeln aufzustellen.

Fabian spielt am Computer am liebsten Online-Spiele im Team oder gegen andere wie "Minecraft" oder das Handy-Spiel "Pixel Gun". Allerdings haben seine Eltern genau festgelegt: Eine halbe Stunde Computer, eine halbe Stunde Handy-Spiel am Tag, mehr ist nicht erlaubt. "Sonst würden mein Bruder und ich zu viel spielen." Auch Sport, vor allem Tennis, gehört für Fabian zum Ferienspaß.

Bewegung und Sport, das hält die Bildungsexpertin Renate Zimmer für wichtig. Sie appelliert an Eltern, ihre Kinder in der schulfreien Zeit dazu zu motivieren. Und die Erziehungs- und Sportwissenschaftlerin warnt davor, Jungen und Mädchen unbegrenzt Zeit vor dem Computer oder mit dem Smartphone verbringen zu lassen. "Der kindliche und der heranwachsende Körper sind nicht zum Sitzen gemacht, sondern auf Aktivität ausgerichtet." Schon junge Menschen klagen Zimmer zufolge heute über Rückenbeschwerden. Die Ursache sei häufig Bewegungsmangel.

Eltern sollten deshalb konkrete Angebote machen für Spiele im Freien, für Ferienlager und auch gemeinsame Aktivitäten, betont die Direktorin des Niedersächsischen Instituts für frühkindliche Bildung und Entwicklung. "Die Ponyfreizeit, Fußball spielen, schwimmen gehen oder das Picknick mit den Eltern ziehen immer noch mehr als jedes Computerspiel." Dabei dürften gerade berufstätige Eltern durchaus auf die vielen guten Ferien-Angebote von Kommunen, Vereinen und freien Trägern zurückgreifen.

Nach Auffassung des Urlauberseelsorgers Bernd Knobloch sollten sich Familien in den Ferien aber auch gemeinsame Zeit nehmen. "Ich glaube, für Kinder ist das sehr wichtig, wenn mal beide Eltern Zeit haben." Im Urlaub hätten Familien Luft, um gemeinsam etwas zu unternehmen, sagt der Diakon, der seit mehr als 20 Jahren Sommerprogramme auf dem Campingplatz "Südseecamp" im niedersächsischen Wietzendorf anbietet. "Die Familien, die zu uns ins Kirchenzelt kommen, sehen das auch so. Zur 'Gute-Nacht-Geschichte' finden sich nicht nur Kinder, sondern auch der Opa, der Vater, die ganze Familie ein."

Knobloch hat aber auch beobachtet, wie sich das Animationsprogramm des Campingplatzes in den vergangenen Jahren immer weiter ausgeweitet hat. "Vor allem die Eltern haben oft den Eindruck, dass die Kinder Bespaßung brauchen", sagt er. Sein eigenes Programm im Kirchenzelt hat er in den letzten Jahren dennoch kaum verändert. Nach wie vor setzt der Diakon zum Beispiel auf Puppenspiel oder erzählt anhand von Bilderbüchern Geschichten nach. "Da sitzen auch ältere Kinder da und man könnte eine Stecknadel fallen hören", sagt Knobloch. "Wir schwimmen da gegen den Trend, aber da geht schon was."

Einer Geschichte lauschen oder selbst lesen - Bücher machten es möglich, in andere Welten einzutauchen, sagt die Organisatorin des internationalen Wettbewerbes um den Jugendbuchpreis "Buxtehuder Bulle", Ulrike Mensching. Viele Kinder und Jugendliche hätten zum Lesen ihre idealen Orte, ganz nach Geschmack am Strand, im Bett oder vielleicht sogar auf dem Klo. "Das Lesen kann gute Gefühle wecken. Es kann lustig sein, spannend oder romantisch."

Der Julius-Club, zu dem in ganz Deutschland Büchereien in den Ferien einladen, soll diese Freude auch bei den Kindern wecken, denen das Lesen noch schwerfällt, erläutert die Leiterin der Stadtbibliothek Buxtehude. In Buxtehude stehen dazu zum Beispiel eine Übernachtungsparty und ein Hörbuchworkshop auf dem Programm.

Und Fabian? Lesen ist bei ihm durchaus auch angesagt. Schulfrei zu haben, heißt für den Elfjährigen aber auch, endlich mal ausschlafen zu können und am Abend länger aufbleiben zu dürfen. "In den Ferien treffe ich mich auch mit Freunden, dann nicht nur zum Spielen, sondern auch mit Übernachten." Dann ist Zeit zum Fußballspielen oder zum Tüfteln und sie bauen zum Beispiel Roboter aus Lego, die sich auch programmieren lassen. (6044/06.07.17)

Kinder sollten die Ferien für Sport und Bewegung nutzen - epd-Gespräch: Martina Schwager

Die Bildungsexpertin Renate Zimmer appelliert zu Beginn der Sommerferien an Eltern, ihre Kinder in der schulfreien Zeit zu Bewegung und Sport zu motivieren. Gleichzeitig warnte die Erziehungs- und Sportwissenschaftlerin davor, Jungen und Mädchen unbegrenzt Zeit vor dem Computer oder mit dem Smartphone verbringen zu lassen. "Der kindliche und der heranwachsende Körper sind nicht zum Sitzen gemacht, sondern auf Aktivität ausgerichtet", sagte Zimmer in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Die Organe, die Muskulatur und die Knochen bräuchten tägliche Herausforderungen: "Eine Stilllegung des Körpers ist gefährlich." Das gelte natürlich auch für Erwachsene, aber vor allem für Kinder und Jugendliche. Schon junge Menschen klagten heutzutage über Rückenbeschwerden. Die Ursache sei häufig Bewegungsmangel. "Und wenn man jetzt mal sechs Wochen Zeit hat, nicht in der Schule zu sitzen, dann ist es genau der falsche Weg, die gewonnene Freizeit wiederum durch sitzende Beschäftigungen wie die Nutzung der digitalen Geräte zu füllen."

Es genüge allerdings nicht, dass Eltern ihren Kindern sagten: "Nun geh doch mal raus." Vielmehr sollten sie konkrete Angebote machen für Spiele im Freien, für Ferienlager und auch gemeinsame Aktivitäten, betonte die Direktorin des Niedersächsischen Instituts für frühkindliche Bildung und Entwicklung. "Die Ponyfreizeit, Fußball spielen, schwimmen gehen oder das Picknick mit den Eltern ziehen immer noch mehr als jedes Computerspiel."

Dabei dürften gerade berufstätige Eltern durchaus auf die vielen guten Ferien-Angebote von Kommunen, Vereinen und freien Trägern zurückgreifen: "Die meisten leben nun mal nicht mehr auf dem Dorf, wo Kinder einfach rausgehen können und gleich zwei, drei Kameraden zum Spielen finden."

Zudem müssten die Erwachsenen ihren Sprösslingen altersabhängig klare Zeiten für die Nutzung digitaler Geräte vorgeben. "Sonst geraten die Kinder in den Sog der Zeit fressenden Internetnutzung". Ein sechs- bis siebenjähriges Kind sollte nach Ansicht der Professorin nicht länger als eine halbe Stunde pro Tag damit verbringen. Bei einem Zwölf- oder 13-Jährigen könnten es schon mal anderthalb Stunden sein." (6046/06.07.17)

Von Karen Miether und Martina Schwager (epd)