Ethik
Der protestantische Friedhof in Rom praesentiert sich den Spaziergaengern in einer ganz eigenen Atmosphaere, abgeschieden und romantisch (Foto vom 17.09.2016).
© epd-bild / Alessandro Natale
"Das hat viel mit Würde zu tun"
Liedermacher: Abschied und Tod dürfen für Kinder nicht tabu sein
Worpswede (epd). Abschied, Sterben und Tod dürfen nach den Worten des Worpsweder Liedermachers David Jehn (53) für Kinder nicht tabu sein. "Das gehört genauso wie Geburt und Geburtstagsfeiern zum Leben dazu - die Kinder selbst gehen damit ganz offen um", sagte der Musiker und Komponist dem Evangelischen Pressedienst (epd). Jehn hat sich mit seinem Bruder Nicolas und Religionslehrerinnen an einem Musikprojekt für Grundschüler zu Sterben und Tod beteiligt. Unter dem Titel "Über den weiten Fluss" soll das Stück an diesem Sonntag in der evangelischen Findorffkirche Grasberg bei Bremen aufgeführt werden.

Sterben und Tod sei für Kinder "ein großes Thema", sagte Jehn. "Wenn ich das mit einem eigenen Beispiel anspreche, sprudelt es aus ihnen nur so heraus." Deshalb sei es wichtig, mit ihnen darüber ins Gespräch zu kommen. Der Fund toter Tiere, die gestorbenen Großeltern, aber auch Abschiede wie der Wechsel vom Kindergarten auf die Grundschule oder die Trennung der Eltern: "Jedes Kind erlebt das, genauso wie Freude und Glück."

Jehn hat die Erfahrung gemacht, dass Kinder meist genaue Vorstellungen davon haben, wie man beispielsweise mit einem toten Körper umgeht. "Das hat viel mit Würde zu tun. Dazu gehört natürlich, ein Loch zu buddeln. Dann soll der Körper in eine Schachtel gelegt oder in ein Tuch gehüllt werden." Den Kindern sei es wichtig, dass es den Toten gutgehe: "So sollte eine Maus in einer Schachtel mit Löchern im Deckel beerdigt werden, damit das tote Tier auch genügend Luft bekommt."

Der Musiker erinnert sich an einen Jungen, der unverhofft in Tränen ausbrach, als er sich an seinen verstorbenen Opa erinnerte. Doch obwohl Jungen in dem Alter gerne cool seien, habe ihn niemand in der Klasse ausgelacht. "Im Gegenteil. Die Kinder sagten, sie könnten das gut verstehen, es sei ihnen auch schon passiert. Das war ein verständnisvolles Trösten."

Um dem Tabu im Umgang mit dem Thema zu begegnen, müsse man in erster Linie "die Schere aus den Köpfen der Erwachsenen nehmen". Bei dem aktuellen Projekt, das zusammen mit drei Grundschulen gelaufen ist, hatte der Musiker im Kontakt mit den Lehrern "ein tolles Gefühl". Wie die Eltern reagierten, werde sich am Sonntag zeigen. Doch eines sei klar: "Kinder lieben nicht nur fröhliche Musik, sondern auch traurige Lieder in Moll." (9059/09.03.17)

epd-Gespräch: Dieter Sell