Kultur
Bremer Studiengang Kirchenmusik gerettet
Neue Master-Ausbildung nach barockem Baumeister benannt
Bremen (epd). Der lange in seiner Existenz bedrohte Studiengang Kirchenmusik an der Bremer Hochschule für Künste soll in abgespeckter Form und mit neuem Profil weitergeführt werden. Zum kommenden Wintersemester werden in der Hansestadt erste Studierende in einer Master-Ausbildung mit dem Schwerpunkt historische Kirchenmusik aufgenommen, sagte am Montag Hochschul-Rektor Herbert Grüner. Das Repertoire sei auf das 16. bis 18. Jahrhundert ausgerichtet. Damit habe der auf drei Plätze bemessene Studiengang bundesweit ein Alleinstellungsmerkmal. Vertreter der Kirchen begrüßten die Entscheidung.

2015 hatte der Akademische Senat der Hochschule aufgrund von Sparvorgaben der Landesregierung beschlossen, den Studiengang mit einem Bachelor- und einem Master-Abschluss und insgesamt sechs Studienplätzen bis 2020 auslaufen zu lassen. Dagegen hatten nicht nur die beiden großen Kirchen, sondern auch der Deutsche Musikrat in teils scharfen Worten protestiert.

Nun bekommt der Studiengang in Kooperation mit der evangelischen und der katholischen Kirche eine neue Perspektive: Die Kirchen steuern unter anderem Finanzmittel bei. Die Bremische Evangelische Kirche entsendet ihren Domorganisten Stephan Leuthold auf eine halbe Professorenstelle. Einen "großen Teil" der Studiengangskosten trügen die Kooperationspartner, sagte Grüner.

Außerdem beteiligt sich die örtliche Karin und Uwe Hollweg-Stiftung für fünf Jahre mit einer ganzen Stiftungsprofessur, die demnächst ausgeschrieben werden soll. Das neue Masterstudium nutze überdies inhaltliche Schnittmengen der renommierten Alte-Musik-Ausbildung an der Hochschule, ergänzte der Rektor. Ausbildungsinhalte im Bereich moderner Popularmusik, in den Kirchen derzeit ein stark wachsender Bereich, soll es dagegen nicht geben.

Das neue Profil "kann Strahlkraft bringen", urteilte Bremens Wissenschaftssenatorin Eva Quante-Brandt (SPD). Edda Bosse, Präsidentin der Bremischen Evangelischen Kirche, sagte, die Kirchen bräuchten dringend gut ausgebildete Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker. Auch der Bischöfliche Beauftragte für Kirchenmusik im katholischen Bistum Osnabrück, Franz-Josef Rahe, sprach von "besten Berufsaussichten".

Während die evangelische Kirche jährlich rund 40.000 Euro zuschießen will, beteiligen sich die Katholiken mit rund 15.000 Euro. Besonders wichtig ist die große Zahl bedeutender historischer Orgeln in der Umgebung von Bremen, die den Studierenden hervorragende Übungsmöglichkeiten bieten. So gibt es in der Region viele Instrumente des barocken Orgelbaumeisters Arp Schnitger (1648-1719).

Neben dem Orgelspiel soll aber auch die Chorleitung zu den Hauptfächern des neuen Master-Studiengangs zählen, der auch nach Arp Schnitger benannt wird. In Deutschland gibt es den Angaben zufolge etwa 20 Hochschulen, die eine kirchenmusikalische Master-Ausbildung anbieten. (3139/13.03.17)