Ethik
Die Philippinische Pflegerin Janette Dela Cruz (r.) ist die tausendste auslaendische Pflegekraft, die im Rahmen des "Tripl Win"-Projektes angeworben wurde, um den Pflegenotstand in Deutschland abzumildern.
© epd-bild / Rudolf Stumberger
Agenturen suchen Pflegekräfte auch aus dem Ausland
Hannover (epd). Angesichts des Fachkräftemangels in der Pflege setzen die Arbeitsagenturen auch auf Zuwanderer aus dem Ausland. Allerdings müssten nicht nur die fachlichen Qualifikationen stimmen, die Pflegerinnen und Pfleger sollten auch bereits genügend Kenntnisse von Sprache und Kultur haben, sagte der Vizechef der Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen der Bundesagentur für Arbeit, Klaus Oks, dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Zuwanderung kann nur dann erfolgreich sein, wenn nicht nur die Integration in den Arbeitsmarkt gelingt, sondern auch in das gesellschaftliche Umfeld."

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte in den vergangenen Tagen eine mögliche Öffnung für Einwanderer-Kontingente aus Afrika signalisiert und dabei Pflegekräfte als ein Beispiel genannt. In Niedersachsen und Bremen sind laut der Sprecherin der Regionaldirektion, Anja Schmiedeke, bereits Pflegekräfte aus Afrika tätig, allerdings ist ihr Anteil bisher gering. Von insgesamt 84.000 Menschen, die in Niedersachsen Ende 2016 in der Gesundheits- und Krankenpflege gearbeitet haben, stammten demnach 3.100 aus dem Ausland, davon 170 aus afrikanischen Ländern. In der Altenpflege lag der Anteil mit 220 Afrikanern unter 56.100 Pflegekräften etwas höher.

Um die Pflegekräfte aus dem Ausland vorzubereiten und ihnen eine dauerhaft gute Perspektive zu bieten, hat die Bundesagentur für Arbeit den Angaben zufolge gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit das Projekt "Triple Win" aufgelegt. Seit März sei neben Serbien, Bosnien-Herzegowina und den Philippinen auch Tunesien neu in das Programm aufgenommen worden. In diesen Länder gebe es einen Überschuss an Pflegefachkräften, erläuterte Schmiedeke. Zudem eröffne das Niveau der beruflichen Qualifikation Anknüpfungspunkte für eine spätere Anerkennung in Deutschland.

Bereits in den Heimatländern werden bei "Triple Win" Sprach- und Vorbereitungskurse gehalten, hieß es. In Deutschland würden die Menschen bis zur Berufsanerkennung weiter begleitet. Davon profitierten auch die Arbeitgeber. Bundesweit hätten seit dem Start vor vier Jahren rund 1.000 Pflegefachkräfte ihre Arbeit aufgenommen. In Niedersachsen seien rund 70 Stellen in der Vermittlung, etwa die Hälfte der Fachkräfte habe die Arbeit bereits aufgenommen. In Bremen gebe es bisher 25 Stellen, auch dort habe die Hälfte der Mitarbeiter bereits begonnen. (0082/30.08.17)