Ethik
Rund 1.500 Menschen haben am 17.09.2016 in Berlin gegen den "Marsch fuer das Leben" von rund 4.500 christliche Abtreibungsgegnern und sogenannten Lebensschuetzern demonstriert.
© epd-bild / Christian Ditsch
Abtreibungsstreit ist beendet: Chefarzt verlässt Dannenberger Klinik
Fall sorgt für Debatte in sozialen Netzwerken
Dannenberg, Hannover (epd). Der Streit um Abtreibungen in der Elbe-Jeetzel-Klinik in Dannenberg ist vorerst beendet. Patientinnen könnten dort auch zukünftig Schwangerschaftsabbrüche nach dem Beratungsmodell vornehmen lassen, teilte der Capio Mutterkonzern mit Sitz in Fulda am Donnerstag mit. Der Chefarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe, Thomas Börner, werde die Klinik auf eigenen Wunsch mittelfristig verlassen. Er hatte erklärt, keine Schwangerschaftsabbrüche in der Fachabteilung unter seiner Leitung zu dulden. Schwangerschaftsabbrüche widersprächen seiner christlichen Überzeugung.

Nach der Verfügung des Arztes hatte es Kritik von Politik und Verbänden gegeben. Der Chefarzt hatte sich auf das Schwangerschaftskonfliktgesetz berufen. Danach darf niemand zu einer Mitwirkung an einem Schwangerschaftsabbruch gezwungen werden. Er trage außerdem Verantwortung für seine Abteilung, hatte Börner betont. Im Übrigen stünden alle Mitarbeiter hinter seiner Entscheidung. Der Capio-Konzern hatte argumentiert, er akzeptiere zwar die persönliche Entscheidung des Chefarztes. Börner dürfe diese aber nicht zur Maxime für seine Abteilung machen. Als weltanschaulich neutrale Einrichtung sei Capio zuerst dem gesetzlich vorgeschriebenen Selbstbestimmungsrecht der Patientinnen verpflichtet.

Capio-Geschäftsführer Martin Reitz betonte am Donnerstag, die nun getroffene Regelung sei "sehr einvernehmlich" mit allen beteiligten Ärzten beschlossen worden. "Fortan übernehmen andere, sehr erfahrene angestellte Fachärzte für Gynäkologie den medizinischen Eingriff." Die Klinikleitung bedaure den Weggang des Chefarztes. Börner selbst war am Donnerstag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Unterdessen ist auf den Kommentarseiten von Online-Medien und in den Sozialen Netzwerken eine kontroverse Diskussion um den Fall Dannenberg und Abtreibungen allgemein entbrannt. Allein die große Zahl der Kommentare spiegelt wider, dass das Thema die Gesellschaft noch immer polarisiert. So schreibt eine Nutzerin bei "facebook" über den Arzt Börner: "Den mag ich! Chuzpe!". In einem anderen Kommentar heißt es: "Abtreibung ist Teil von Gesundheitsversorgung - keine Frau lässt einfach mal so zum Spaß einen solchen Eingriff durchführen."

Befürworter sehen die Straffreiheit eines Schwangerschaftsabbruchs unter bestimmten Bedingungen als Errungenschaft, die nicht erneut infrage gestellt werden sollte. "Das Grundrecht einer Frau, über ihren Körper selbst bestimmen zu können, muß einen hohen Stellenwert haben", schreibt ein Nutzer auf der Seite ndr.de.

Abtreibungsgegner sprechen sich im Netz hingegen dafür aus, die Diskussion trotz der Regelung des Paragrafen 218 erneut offen zu führen. Sie werfen den Befürwortern vor, sie hätten einseitig die Situation der Frauen im Blick und missachteten die Würde des ungeborenen Lebens. "Ich höre und lese immer nur vom Selbstbestimmungsrecht der Frauen. Wer denkt an das des ungeborenen Kindes?", lautet etwa ein Kommentar bei "Welt N24".

Abtreibungen sind in Deutschland straffrei, wenn sie in den ersten zwölf Wochen nach der Empfängnis erfolgen, und legal, wenn es medizinische Gründe gibt oder nach einer Vergewaltigung. In jedem Fall muss sich die Frau vor dem Eingriff bei einer anerkannten Stelle beraten lassen. (9266/09.02.17)