Ethik
Abgasversuche: Ethiker kritisiert übertriebenes Gewinnstreben
Wolfsburg, Berlin (epd). Angesichts der Abgasversuche der Automobilbranche an Affen hat der Berliner Wirtschaftsethiker Ulrich Thielemann ein übertriebenes Gewinnstreben in Unternehmen kritisiert. Die Geschehnisse seien beispielhaft für einen übergreifenden "Rentabilitäts-Extremismus", der nicht gestoppt werde sondern immer weitergehe, sagte der Wissenschaftler am Montag dem epd. "Jedes Mittel ist recht, um Gewinne zu vergrößern und Absätze zu steigern." Diese Tendenz müsse stärker hinterfragt werden.

Es mache fassungslos, dass Tierversuche genutzt wurden, um die Qualität eines Betrugssystems an Fahrzeugen zu messen, sagte der Direktor der Berliner "Denkfabrik für Wirtschaftsethik". Da es eine Kooperation der gesamten deutschen Automobil-Industrie sei, müsse auch der Vorstand der jeweiligen Unternehmen davon gewusst haben. Deshalb dürfe sich in diesem Fall die Führungsriege nicht herausreden und einzelne Ingenieure zu Bauernopfern machen.

Um diese zunehmende Skrupellosigkeit zu stoppen, müsse sich vor allem die Unternehmenskultur ändern, betonte Thielemann. Die Ausbildungssysteme in den Wirtschaftswissenschaften müssten vielfältiger angelegt werden. Gefördert würden diese Motive auch von der Export-Orientierung der Bundesregierung, die die Unternehmen hofiere und nicht reguliere. "Das hat der Umgang mit dem Diesel-Skandal in der Automobil-Branche bilderbuchhaft gezeigt."

Einem Bericht der "New York Times" zufolge sollen deutsche Automobil-Hersteller in den USA Tests mit Stickstoffdioxid an zehn Affen ausgeführt haben, um zu beweisen, dass die Schadstoffbelastung durch Abgasreinigung deutlich abgenommen habe. Die Tiere seien vier Stunden lang mit Auto-Abgasen eingesperrt worden. Die entsprechende Forschungseinrichtung soll vom Wolfsburger Autobauer Volkswagen sowie von Daimler und BMW finanziert worden sein. VW hatte in den USA jahrelang Stickstoffdioxid-Messwerte manipuliert, um Grenzwerte für Dieselfahrzeuge einzuhalten. (9139/29.01.18)

epd-Gespräch: Charlotte Morgenthal