Soziales
Wohlfahrtsverbände dringen auf mehr staatliche Unterstützung
Wiesbaden (epd). Die Wohlfahrtsverbände in Hessen dringen auf eine stärkere finanzielle Unterstützung ihrer sozialen Tätigkeit durch das Land. Der Vorstandsvorsitzende der Liga der Freien Wohlfahrtspflege, Thomas Domnick, verwies am 31. März in Wiesbaden vor allem auf das große Engagement der Verbände beim Einsatz Ehrenamtlicher etwa in der Flüchtlingshilfe. Deren Qualifizierung müsse bislang allein aus Mitteln der Kirchensteuer, Spenden oder Mitgliedsbeiträgen bestritten werden. Hier müsse sich der Staat stärker beteiligen, forderte Domnick, der zugleich dem Caritas-Verband im Bistum Mainz vorsteht.

Domnick zog eine positive Bilanz der Aktionswoche "Wir sind Gesellschaft", bei der sich die Liga seit Montag auf 16 Veranstaltungen mit rund 450 Teilnehmern in ganz Hessen an Politik und Zivilgesellschaft gewandt hatte. In der Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Hessen sind neben der katholischen Caritas die evangelische Diakonie, die Arbeiterwohlfahrt, der Paritätische Wohlfahrtsverband, das Deutsche Rote Kreuz und der Landesverband der Jüdischen Gemeinden zusammengeschlossen. Bei der Aktionswoche präsentierten sie eine aktuelle Studie des Instituts für Sozialarbeit und Sozialpädagogik in Frankfurt, wonach die Wohlfahrtsverbände mit ihren allein in Hessen rund 113.000 Beschäftigten auch ein starker Wirtschaftsfaktor sind.

Domnick und der Vorsitzende der Diakonie Hessen, Horst Rühl, stellten besonders die Entlastung staatlicher Stellen durch die Tätigkeit der Wohlfahrtsverbände in der Flüchtlingshilfe heraus. Die Verbände leisteten auch bei der Beratung zu den Asylverfahren und in weiteren Fragen der Migration erhebliche Unterstützung. Für die Qualifizierung und Koordination der ehrenamtlichen Helfer müsse sich auch das Land finanziell engagieren.

Rühl forderte zugleich Deutschkurse für alle Flüchtlinge unabhängig von der Bleibeperspektive. Auch wenn sie mangels Erfolg ihrer Asylanträge in die Heimatländer zurückkehren müssten, könnten die hier erworbenen Deutschkenntnisse weiter nützlich für sie sein, zumal wenn diese etwa über das Goethe-Institut vor Ort weiter vertieft würden. Domnick, Rühl und Torsten Hamann von der Arbeiterwohlfahrt forderten zudem, bei Ausschreibungen von sozialen Projekten nicht immer den billigsten Anbieter zu nehmen, sondern auch auf die soziale Nachhaltigkeit des Angebots zu achten.

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