Soziales
Wissenschaftlerin: Lücke bei haushaltsnahen Dienstleistungen
Gießen (epd). Der Bedarf an haushaltsnahen Dienstleistungen ist nach Aussage der Gießener Familienwissenschaftlerin Uta Meier-Gräwe in der Gesellschaft "außerordentlich groß". Seit Jahren steige die Nachfrage von Berufstätigen nach Hilfe beim Kochen und Putzen, Kinderbetreuung in Ferien- und Krankheitszeiten oder bei der Versorgung pflegebedürftiger Angehöriger, sagte Meier-Gräwe am 20. Oktober am Rande einer Tagung zum Thema "Caring, Cooking, Cleaning" in Gießen. Es klaffe allerdings eine "erhebliche Versorgungslücke".

Die sogenannten Sorgeberufe seien oft schlecht bezahlt. Die Stadt München etwa übernehme die Hälfte der Wohnkosten für Erzieher, weil deren Gehalt nicht für die Miete reiche. Es existiere der Begriff der "Renn-Pflege" für den immensen Zeitdruck, dem Mitarbeiter in der Pflege ausgesetzt seien. Es sei daher zwar wichtig, Frauen für naturwissenschaftlich-technische Berufe zu interessieren. Aber gleichzeitig müsse die Gesellschaft die Frage beantworten, wie die "Sorgeberufe" aufgewertet werden können. Durch Modernisierung und Digitalisierung würden viele Berufe im gewerblich-technischen Bereich wegfallen. Dienstleistungsberufe seien jedoch nur bedingt ersetzbar.

Einen Lösungsansatz biete beispielsweise ein Gutscheinmodell, mit dem Belgien den Schwarzmarkt für haushaltsnahe Dienstleistungen trockenlegte, wie Meier-Gräwe berichtete. Die Stiftung Diakonie Württemberg probiere das Modell in einem Projekt in Heilbronn und Aalen aus. Danach bekommen Erwerbstätige, die ihre Arbeitszeit aufstocken wollen, über einen Gutschein einen Zuschuss von acht Euro pro Stunde für haushaltsnahe Dienstleistungen. Die Gutscheine können sie bei Dienstleistungsunternehmen einlösen.

Bundesweit existierten verschiedene Projekte, zum Beispiel die Ausbildung von Flüchtlingen zu hauswirtschaftlichen Fachkräften, sagte die scheidende Professorin für Wirtschaftslehre des Privathaushalts und Familienwissenschaft an der Uni Gießen. Diese sind verbunden mit einer speziellen Sprachförderung oder Praktika in Pflegeeinrichtungen für Migrantinnen mit Kindern.

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