Politik
Viele ungeklärte Fragen zum Kerosinablass über der Pfalz
Mainz (epd). Weder das Bundesumweltamt noch die Deutsche Flugsicherung (DFS) verfügen über detaillierte Informationen zum Ausmaß und den Folgen von Kerosinablass durch Flugzeuge. Nicht alle Fluggesellschaften würden die Fluglotsen bei derartigen Vorkommnissen vorab in Kenntnis setzen, sagte Fabio Ramos von der DFS am 14. November bei einer Expertenanhörung im rheinland-pfälzischen Landtag in Mainz: "Nicht alles wird gemeldet, nichts ist überprüfbar." Vertreter der Umweltaufsichtsbehörden räumten ein, dass es keine aktuellen Messungen gebe, die belegen könnten, welche Gebiete von einem Kerosinablass (Fuel Dumping) betroffen sind.

"Der Bundesregierung liegen dazu keine Informationen vor", sagte Lars Mönch vom Umweltbundesamt. Zwar sei eine umfangreiche Studie geplant, um alle relevanten Daten zu dem Thema zu sammeln, Messungen werde es dabei jedoch nicht geben. Im Luftraum über Rheinland-Pfalz und speziell über dem Pfälzerwald gab es in der Vergangenheit besonders viele Fälle, in denen Flugzeuge kurz nach dem Start für eine ungeplante Landung große Mengen Kerosin ablassen mussten. Im vergangenen halben Jahr entfielen fünf der bundesweit zwölf bekanntgewordenen Ereignisse auf die Pfalz.

Nach Aussage der DFS liegt eine Ursache dafür in den Abflugrouten des Frankfurter Flughafens. Aber auch amerikanische Militärmaschinen ließen in mehreren Fällen Kerosin im Himmel über der Pfalz abregnen, einmal handelte es sich sogar um ein Tankflugzeug. Bislang gibt es keine offiziellen Mitteilungspflichten an Landesbehörden. Eine schnelle Weitergabe der Informationen sei aber unbedingt nötig, um eventuelle Auswirkungen auf die Umwelt messen zu können, erklärte Stefan Hill vom rheinland-pfälzischen Landesamt für Umwelt. Derzeit wisse niemand, ob eine Kerosinwolke von der Pfalz noch auf rheinland-pfälzischem Boden niedergehe oder beispielsweise erst im Schwarzwald.

Die Lufthansa sieht derzeit in Notsituationen keine Alternative zum Treibstoffablass. Langstreckenflugzeuge seien so konstruiert, dass sie mit vollem Tank nicht landen könnten. Robustere Fahrwerke würden das Gewicht der Maschinen und dadurch den Treibstoffverbrauch deutlich anheben. Zu Kerosinablass kommt es nach Angaben der Fluggesellschaft bei technischen Problemen - etwa, wenn sich das Fahrwerk eines Flugzeugs nicht einfahren lässt - oder bei medizinischen Notfällen an Bord. Die Mitnahme eines Bordarztes auf Langstreckenflügen könne das Problem nicht lösen, da es häufig keine Alternative zum schnellen Transport in eine technisch gut ausgestattete Klinik gebe.

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