Kultur
Robert Menasse gewinnt Deutschen Buchpreis 2017
Frankfurt a.M. (epd). Der österreichische Schriftsteller Robert Menasse (63) ist am 9. Oktober in Frankfurt am Main für seinen Roman "Die Hauptstadt" mit dem Deutschen Buchpreis 2017 ausgezeichnet worden. Das im Suhrkamp-Verlag erschienene Werk spielt in Brüssel und setzt sich mit der Europäischen Union und all ihren Widersprüchen auseinander. Die Preisverleihung markierte den Start in die Frankfurter-Buchmessen-Woche. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der französische Präsident Emmanuel Macron werden die Literaturschau am Dienstagabend eröffnen.

Frankreich ist in diesem Jahr Gastland der Fachmesse, zu der mehr als 7.150 Aussteller aus 106 Ländern erwartet werden. Aus Frankreich haben 180 Autoren ihr Kommen zugesagt, darunter Michel Houellebecq, Yasmina Reza und Alain Mabanckou.

Rund 280.000 Besucher werden in den Ausstellungshallen und zu den mehr als 4.000 Veranstaltungen erwartet. Am Samstag und Sonntag öffnet die fünftägige Messe traditionell ihre Tore für das allgemeine Publikum. Zum Abschluss wird am Sonntag in der Paulskirche der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen. Er geht in diesem Jahr an die Kanadierin Margaret Atwood.

Die Literaturkritikerin Mara Delius von der Tageszeitung "Die Welt" lobte Buchpreis-Träger Menasse, der "eine Tragikomödie mit bitterernstem Unterton" geschaffen habe. Das Buch "Die Hauptstadt" sei ein "Plädoyer für ein Europa jenseits nationaler Egoismen". Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) erklärte in Berlin, Menasse sei "eine großartig recherchierte, vielschichtige Erzählung über das politische Europa gelungen, die deutlich macht, dass es sich trotz aller Schwierigkeiten lohnt, für das einzigartige Friedensprojekt Europa einzusetzen".

Mit dem Deutschen Buchpreis zeichnet der Börsenverein des Deutschen Buchhandels seit 2005 jährlich den besten deutschsprachigen Roman des Jahres aus. Der Preisträger erhält 25.000 Euro, die fünf Finalisten jeweils 2.500 Euro. Im vergangenen Jahr hatte der Roman "Widerfahrnis" von Bodo Kirchhoff das Rennen gemacht.

Er sei sehr gerührt, den Preis erhalten zu haben, sagte Menasse. Zugleich sei er aber auch sicher, dass seine fünf Konkurrenten die Auszeichnung ebenso verdient gehabt hätten. Neben Menasses "Die Hauptstadt" waren die Romane von Gerhard Falkner: "Romeo oder Julia" (Berlin-Verlag), Franzobel: "Das Floß der Medusa" (Paul Zsolnay), Thomas Lehr: "Schlafende Sonne" (Carl Hanser), Marion Poschmann: "Die Kieferninseln" (Suhrkamp) sowie Sasha Marianna Salzmann: "Außer sich" (Suhrkamp) in die engere Wahl gekommen.

Internet:
www.deutscher-buchpreis.de
Pressemitteilung Gabriel: http://u.epd.de/vni
www.buchmesse.de


epd lmw/kfr cez

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