Politik
Rheinland-Pfalz beteiligt sich an Initiative gegen Kindesmissbrauch
Mainz (epd). Rheinland-pfälzische Schulen sollen in die Lage versetzt werden, besser auf Fälle von Kindesmissbrauch zu reagieren. Als sechstes Bundesland beteiligt sich Rheinland-Pfalz an einer bundesweiten Initiative "Schule gegen sexuelle Gewalt". Die Fallzahlen seien leider ungebrochen hoch, sagte der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, am 23. Oktober bei der Vorstellung der Kampagne in Mainz.

Rechnerisch seien wohl in jeder deutschen Schulklasse ein bis zwei Kinder persönlich betroffen. Mit Informationsmaterialien und ein Internetportal zu dem Thema sollen Schulen dazu ermutigt werden, individuelle Schutzkonzepte zu erarbeiten. "In Schulen muss das Thema sexuelle Gewalt besprechbar sein", sagte Rörig. Noch immer werde an Schulen viel zu oft weggeschaut, wenn es Hinweise auf Missbrauch gebe.

Kerstin Claus vom Betroffenenrat des Missbrauchsbeauftragten sagte, das Problem vieler Betroffenen sei nicht, dass sie nicht über die erlittene Gewalt sprechen könnten, sondern dass Vertrauenspersonen nicht angemessen darauf reagierten. Ein Schutzkonzept an möglichst allen Schulen hätte zur Folge, dass Lehrer das Thema auch leichter unabhängig von konkreten Verdachtsfällen ansprechen könnten. Schülerinnen und Schüler fänden leichter Hilfe, wenn sie selbst oder enge Freunde zu Opfern wurden.

Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) unterstützt die Kampagne. "Dieses Thema beschäftigt mich seit Beginn meiner Berufstätigkeit", sagte die frühere Richterin und Staatsanwältin. Auch die Lehrerverbände im Land begrüßten die Initiative. Bei Hinweisen auf sexuelle Gewalt und Missbrauch stießen Lehrer "schnell an ihre beruflichen Grenzen", erklärte der Landes-Vorsitzende des Lehrerverbandes VBE, Gerhard Bold. Deshalb sei auch mehr Unterstützung durch die Schulverwaltung nötig.

Internet: www.schule-gegen-sexuelle-gewalt.de

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