Politik
Neun kleine Dorfschulen in Rheinland-Pfalz vor dem Aus
Mainz (epd). Die rheinland-pfälzische Landesregierung plant, zum Ende des laufenden Schuljahres neun kleine Dorfschulen zu schließen. Nach einer intensiven Einzelfallprüfung habe sich das Land aus pädagogischen und organisatorischen Gründen zu dem Schritt entschlossen, erklärte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) am 30. November in Mainz. Betroffen sind die Grundschulen in Lieg und Pünderich (Kreis Cochem-Zell), Frankenstein (Kreis Kaiserslautern), Reifferscheid (Kreis Ahrweiler), Schöndorf (Kreis Trier-Saarburg), Herkersdorf (Kreis Altenkirchen), Bingen-Gaulsheim (Kreis Mainz-Bingen), Wintrich (Kreis Bernkastel-Wittlich) und Oberkail (Landkreis Bitburg-Prüm).

Alle zur Schließung vorgesehenen Schulen verfehlen derzeit deutlich die gesetzliche Mindestgröße von einer Klasse pro Jahrgang. Insgesamt hatte das Bildungsministerium gemeinsam mit der Aufsichtsbehörde ADD den Fortbestand von 41 rheinland-pfälzischen Zwergschulen überprüft. Die kleinste Schule des Landes in Klotten an der Mosel mit zuletzt noch sieben Schülern war bereits im Sommer 2017 geschlossen worden.

"Bei 962 Grundschulen im Land reden wir hier von zehn", sagte Hubig. "Wir haben keinen Kahlschlag gemacht." Insgesamt seien von der Entscheidung des Landes 209 Schülerinnen und Schüler betroffen. Alle verbeamteten und angestellten Lehrkräfte würden an Schulen in der Nähe eingesetzt.

Bei der Überprüfung der Schulstandorte habe das Land unter anderem berücksichtigt, ob die Schülerzahlen in den kommenden Jahren wieder ansteigen könnten, wie weit die nächstgelegenen Schulen entfernt sind und ob dort ausreichend Platz für die Betreuung zusätzlicher Kinder ist. Auch die Akzeptanz der Schule vor Ort sei ein wichtiger Faktor gewesen.

Nach der Entscheidung des Landes wird es auch künftig weiter einige Zwergschulen in rheinland-pfälzischen Dörfern geben. An zwei Orten, in Mörsdorf (Rhein-Hunsrück-Kreis) und Müden (Kreis Cochem-Zell), bleiben sogar Schulen mit nur einer einzigen Klasse erhalten, in denen Erst- bis Viertklässler gemeinsam unterrichtet werden. Das Land halte die Lernbedingungen dort zwar nicht für optimal, aber im Fall von Müden fehlten Kapazitäten an den benachbarten Schulen, und in Mörsdorf gebe es eine extrem große Akzeptanz im Dorf für die Schule. Seit vielen Jahren würden alle Kinder aus dem Ort dort angemeldet.

Die CDU-Opposition im rheinland-pfälzischen Landtag sprach von einer schlechten Entscheidung. "Es ist völlig unverständlich, warum gute Strukturen bewusst zerschlagen werden", sagte die bildungspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, Anke Beilstein. Für Familien würden die betroffenen Orte nun deutlich unattraktiver. Andere kleine Schulen seien in Zukunft nicht gegen weitere Schließungen geschützt. Die CDU war erst in der vergangenen Woche mit einem Gesetzentwurf im Landtag gescheitert, der die verbindliche Mindestgröße für Schulen abgeschafft hätte.

Der Lehrerverband VBE wertete es als Erfolg der Schüler- und Elternproteste, dass noch größere Einschnitte verhindert werden konnten. "Wir sind erleichtert, dass es nur neun Grundschulen im ganzen Land betrifft", sagte VBE-Landeschef Gerhard Bold. Die Entscheidung hätte allerdings den Kommunen nicht vom Land und der ADD aufgezwungen werden dürfen. Die SPD-Fraktion im Landtag nahm das Bildungsministerium gegen Kritik in Schutz. Das Vorgehen des Landes sei "umsichtig, transparent und nachvollziehbar" gewesen, erklärte die Abgeordnete Bettina Brück.

epd lmw kp ds