Politik
Land Hessen baut Schulpsychologie aus
Frankfurt a.M. (epd). Mit Hilfe eines Kompetenzzentrums für Schulpsychologie an der Frankfurter Goethe-Universität will das Land Hessen die Beratung für Schulleiter, Lehrer und Schüler ausbauen. Kultusminister Alexander Lorz (CDU) stellte die Einrichtung, die im August ihre Arbeit aufgenommen hat, am 24. Oktober der Öffentlichkeit vor. Sie bietet den Inhabern der zurzeit 106 Stellen für Schulpsychologie in ganz Hessen vor allem Supervision und Fortbildung für ihre Tätigkeit an den Schulen an.

Wie Lorz und die zuständigen Mitarbeiter des Zentrums und des Ministeriums erläuterten, hat der Bedarf an psychologischer Hilfe in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Dabei geht es um den Umgang mit verhaltensauffälligen und oft auch aggressiven Schülern ebenso wie um Beratung in Fällen von Inklusion oder Migration sowie um klassische Krisenintervention. So mussten am Dienstag zwei Schulpsychologen ihre Teilnahme an einer Tagung an der Frankfurter Universität kurzfristig absagen, weil sie nach dem Selbstmord eines Schülers psychologische Hilfe vor Ort leisten mussten.

Nachgefragt würden verstärkt auch Einsätze bei Problemen etwa von Seiteneinsteigern in den Schulen, die vor oder während ihrer Flucht nach Deutschland traumatisiert wurden. Nach den Worten von Lorz ist deshalb die Zahl der Stellen für Schulpsychologie im vergangenen Jahr bereits aufgestockt worden und soll 2018 um weitere acht angehoben werden. Die Schulpsychologen sind bei den Staatlichen Schulämtern angesiedelt und werden bei Bedarf von Schulleitern, Lehrern oder auch Schülern und deren Eltern angefordert. Dann gehen sie direkt in die jeweiligen Schulen und sprechen mit den Betroffenen. Bei einer rechnerischen Relation von derzeit einem Schulpsychologen pro 7.227 Schülern in Hessen wäre eine direkte Ansiedlung der Psychologen an den Schulen nach Einschätzung der Verantwortlichen gar nicht sinnvoll.

Universitätspräsidentin Birgitta Wolff hob hervor, dass sowohl die Wissenschaft als auch die Schulpsychologen von dem Kompetenzzentrum durch den Austausch von Wissenschaft und Praxis profitierten. Der Psychologie-Professor Gerhard Büttner erklärte, die Einrichtung sei derzeit mit 2,5 Psychologen, einem wissenschaftlichen Mitarbeiter sowie einer halben Verwaltungskraftstelle besetzt. Bei den Beratungen, Schulungen und Supervisionen der Schulpsychologen werde aber auch externer Sachverstand eingesetzt.

Kultusminister Lorz versicherte, allen interessierten Stelleninhabern in Hessen werde eine Fort- und Weiterbildung vermittelt. Er wies darauf hin, dass das Zentrum in Frankfurt erst das zweite in Deutschland nach dem Kompetenzzentrum in Tübingen sei, das Baden-Württemberg seinerzeit nach dem Amoklauf von Winnenden einrichtete. Abteilungsleiter Stephan Jeck vom Kultusministerium ergänzte, mit dem zusätzlichen Schwerpunkt Migration sei die hessische Einrichtung breiter aufgestellt.

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