Ethik
Kontroverse über Gott und Evolution in Hofgeismar
Hofgeismar (epd). An der Evolution und ihrer naturwissenschaftlichen Erklärbarkeit gibt es nach Auffassung des Kasseler Evolutionsbiologen Ulrich Kutschera keinen Zweifel. In 20 Jahren werde man im Labor die ersten Mikroben synthetisch herstellen können, sagte er am 17. März auf einer Tagung der Evangelischen Akademie Hofgeismar mit dem Thema "Schöpfung und Evolution - ein Widerspruch?". Da es keinen Zweifel daran gebe, dass die Evolution naturalistisch verlaufe, könne die Gotteshypothese abgeschafft werden.

Dem widersprach der Berliner Philosoph Holm Tetens. Er wies auf das Staunen hin, das der Mensch empfinde, wenn er in der Welt auf etwas wunderbar Durchdachtes stoße. Gott könne als "Naturgesetzgeber" gedacht werden. Allerdings dürfe es keinen "Lückenbüßergott" geben, den man zur Erklärung für die Dinge heranziehe, die man noch nicht verstehe, warnte er. "Die wissenschaftlich anerkannten Ergebnisse dürfen nicht in Abrede gestellt werden."

Der Theologe Wilfried Härle gab zu bedenken, dass der Mensch eine Grenze feststellen könne, hinter die er nicht blicken könne. "Wer sagt, da ist überhaupt nichts, wird mit der Sinnlosigkeit konfrontiert", sagte er. Der Ursprung der Welt müsse anderer Art sein als nur physikalisch. Die Welt sei dem Menschen anvertraut und könne gestaltet werden.

Uneinig waren sich die drei Experten auch über die Frage, ob es eine Entwicklung der Evolution auf ein Ziel hin gebe. Den Gedanken, die Evolution strebe auf ein bestimmtes Ziel zu, dürfe man nicht ausschließen, sagte Tetens. Härle wies darauf hin, dass der Panentheismus, also dass Gott in der Welt ist und sie zugleich umfasst, immer größere Resonanz finde. Dass man im Universum feste Gesetze vorfinde, habe einen Grund. Dem widersprach Kutschera: ein Wesen, das - wie im Laufe der Evolution geschehen - 98 Prozent der entstandenen Arten zugrundegehen lasse, könne er sich nicht vorstellen. Ein Schöpfergott hätte sicher nur solche Wesen geschaffen, die überleben.

Die Hoffnung müsse aufrechterhalten werden, dass es am Ende mit der Welt gut werde, sagte Tetens. Allerdings dürfe diese Hoffnung nicht im Widerspruch zur Naturwissenschaft stehen. Ein Standpunkt des Glaubens müsse sich stets mit der Naturwissenschaft verbinden lassen.

Internet: www.akademie-hofgeismar.de

epd lmw cp ds