Kirche
Kirchenpräsident fordert mehr "Start-up-Mentalität" in der Kirche
Darmstadt (epd). Der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung wünscht sich eine stärkere "Start-Up-Mentalität" in der evangelischen Kirche. Angesichts der zunehmenden Herausforderungen durch die Nutzung von Sozialen Medien wie Facebook sei mehr Experimentierfreude in der Kirche gefragt, sagte Jung beim zweiten Social-Media-Tag der hessen-nassauischen Kirche am 23. September in Darmstadt. Dazu gehöre auch eine größere Bereitschaft, es hinzunehmen, wenn Projekte scheitern.

Jung wies auf die Einstellung vieler junger Unternehmensgründer hin, die er vor kurzem bei einem Besuch des US-amerikanischen Silicon Valley erlebt habe. Auf der Suche nach Innovationen entwickelten diese Start-ups große Fantasie, wüssten aber zugleich, dass Scheitern dazugehört. 500 Jahre nach der Reformation könne dies auch eine Herangehensweise für die evangelische Kirche in der sich derzeit massiv wandelnden Medienlandschaft sein, erklärte der Kirchenpräsident. "Vielleicht sind wir spät dran, aber wir müssen dranbleiben."

Jung sieht in der verstärkten Nutzung Sozialer Netzwerke "große Möglichkeiten". So gehörten allein in Deutschland rund 30 Millionen Menschen dem Sozialen Netzwerk Facebook an, die dadurch erreicht werden könnten. Bei seinem Besuch in den USA habe Facebook der Kirche konkret angeboten, bei der "Bildung von Gemeinschaft" zu helfen, die auch ein zentrales kirchliches Anliegen sei. Jung wies zugleich auf die Gefahren in der Kooperation mit weltumspannenden Unternehmen hin. Diese fragten massiv Daten ihrer Mitglieder ab und engagierten sich zunehmend in Feldern wie der künstlichen Intelligenz, die ethisch bisher kaum beurteilbar seien. Jung: "Wir müssen uns klar darüber werden, ob Facebook und Google ‘vom Teufel‘ sind, oder wir die Möglichkeiten, die geboten werden, stärker nutzen sollten."

Die Frankfurter Medienexpertin Eva Salzer schlug auf der Tagung vor, die evangelische Kirche zur "größten Kommunikationsabteilung der Welt zu machen". Durch die 14.000 evangelischen Gemeinden mit rund 22 Millionen Mitgliedern in Deuschland sei ein "riesiges Potential" vorhanden. Menschen könnten aktiv werden und die Medienlandschaft prägen. Allerdings müsse dabei bedacht werden, dass das Kommunikationsverhalten in den Netzwerken auf dem Dialog basiert und nicht auf das einseitige Senden von Botschaften, so Salzer.

Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) hatte zum zweiten Mal zu einem "Social-Media-Tag" rund um Youtube, Facebook, Twitter und Co. nach Darmstadt eingeladen. In der Evangelischen Hochschule Darmstadt gingen rund 100 Interessierte in Vorträgen und Arbeitsgruppen der Frage nach, wie das Engagement in den sozialen Netzwerken vor Ort gelingen kann. Veranstalter waren die Öffentlichkeitsarbeit der EKHN und das Evangelische Medienhaus Frankfurt.

Internet: www.ekhn.de/social-media

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