Kirche
Künftiger Bischof sieht Amtsnimbus kirchlicher Würdenträger kritisch
Mainz (epd). Der neue katholische Bischof von Mainz, Peter Kohlgraf, will auch künftig ein möglichst normales Leben führen. Der ausgeprägte Amtsnimbus von Bischöfen schaffe zusätzliche Distanz zur katholischen Kirche, sagte er am 12. Mai in Mainz. In Deutschland sei dies historisch bedingt stärker ausgeprägt als in anderen Ländern. In seinem künftigen Amt wolle er sich auch die "Freiheit des Denkens und des Wortes nicht nehmen lassen".

Manchen "flapsigen Kommentar aus dem Hörsaal" werde er sich allerdings auf der Kanzel in Zukunft wohl verkneifen, räumte der Theologieprofessor bei einem Pressetermin an der Katholischen Hochschule Mainz ein, wo er bislang als Dekan des Fachbereichs Praktische Theologie tätig war. In jedem Fall müsse sich die Kirche aber künftig stärker an der Lebenswirklichkeit der Gläubigen orientieren. Keineswegs dürften Kirchenvertreter "mit dem Selbstanspruch durchs Leben gehen, Christen seien die besseren Menschen".

Der 50-jährige Theologieprofessor Peter Kohlgraf war am 18. April von Papst Franziskus zum Nachfolger von Karl Lehmann ernannt worden und soll am 27. August im Mainzer Dom zum Bischof geweiht werden. Das Bistum Mainz umfasst Teile der Bundesländer Hessen und Rheinland-Pfalz sowie eine kleine Exklave im baden-württembergischen Bad Wimpfen mit 300 Pfarreien und insgesamt rund 742.000 katholischen Kirchenmitgliedern.

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