Soziales
Forscher: Begleiter von Sterbenden sind hoch belastet
Gießen (epd). Ärzte und Pfleger, die in der Sterbebegleitung arbeiten, sind einer Studie zufolge hohen Belastungen ausgesetzt. "Es ist nicht zu klug, die Sterbebetreuung zur einzigen Arbeit werden zu lassen", sagte der Studienleiter Wolfgang George am 30. November in Gießen dem Evangelischen Pressedienst (epd). Mit der "palliativen Bündelung", etwa der Verlegung der sterbenden Menschen auf Palliativstationen in Krankenhäusern, schaffe man "neue Probleme". Es sei die Frage, wie viel Tod der einzelne Mitarbeiter vertrage.

Die Autoren um den Gießener Versorgungsforscher George haben in der Studie die "Berufsbiographische Entwicklung von Mitarbeitern/innen in der Sterbebetreuung" untersucht. Sie befragten 496 Mitarbeiter aus 383 Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und der ambulanten Versorgung zu ihren vorberuflichen Erfahrungen, Belastungen, Entlastungen und den Voraussetzungen, die Mitarbeiter mitbringen müssen.

Danach empfanden die meisten Befragten schlechte Teamstimmung, permanenten Zeitdruck und Ärger mit den Vorgesetzten als besonders belastend. Entlastend für die Arbeit wirke vor allem das Gespräch mit den Kollegen am Arbeitsplatz, aber auch mit Patienten und Angehörigen. "Die Verdichtung der Prozesse macht allen zu schaffen", betonte George.

Mitarbeiter von Pflegeheimen konnten sich am wenigsten vorstellen, dass ihre Angehörigen in der eigenen Einrichtung sterben. Beschäftigte in der ambulanten Betreuung gaben George zufolge am häufigsten an: "So ähnlich müsste es am Lebensende auch für mich und meine Angehörigen laufen." Durch die zunehmende Ökonomisierung gehe den Einrichtungen die Werteorientierung verloren, kritisierte der Wissenschaftler: "Das ist das Gift, das zersetzend ist."

George hat in mehreren "Gießener Studien" die Versorgung von Sterbenden in Deutschland untersucht. Die aktuelle, nicht repräsentative Studie, die im Dezember veröffentlicht wird, wurde deutschlandweit im Zeitraum vom 15. Januar bis zum 30. Juni 2017 erhoben. Alle Befragten nahmen freiwillig und anonymisiert teil.

George äußerte sich am Rande des 5. Gießener Kongresses «Sterben in Krankenhäusern und stationären Pflegeeinrichtungen».

Internet: www.giessener-kongress.de

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