Kultur
documenta will sich nach Defizit neu aufstellen - Dritter Gesellschafter denkbar
Kassel (epd). Als Konsequenz aus dem Millionendefizit will sich die documenta gGmbH organisatorisch, finanziell und personell neu aufstellen. Wie der Aufsichtsratsvorsitzende der documenta, der Kasseler Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD), am 21. September nach einer Sitzung des Gremiums bekanntgab, sei eventuell an die Bundesrepublik als weiteren Gesellschafter neben der Stadt und dem Land Hessen gedacht. Diese Idee begrüßte auch der hessische Kunstminister und stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende, Boris Rhein (CDU). Es seien allerdings noch keine Gespräche hierzu geführt worden, sagte er.

Um die Zahlungsfähigkeit der documenta sicherzustellen, werde die documenta einen Kredit in Höhe von acht Millionen Euro aufnehmen, für den die beiden Gesellschafter je zur Hälfte bürgten, so Geselle weiter. Darin sei auch ein Puffer enthalten, da der Bericht der Wirtschaftsprüfer, die Anfang September ihre Arbeit aufgenommen hatten, noch nicht vollständig sei. "Wir wissen nicht, was am Ende auf uns zukommt", sagte Geselle.

Das bilanzielle Defizit habe sich demnach Ende Juli auf rund 5,4 Millionen Euro belaufen. Da zudem noch einige Einnahmen ausstanden, habe es am 28. August, als der Aufsichtsrat erstmals über die Lage informiert wurde, eine Liquiditätslücke von sieben Millionen Euro gegeben. Im Wesentlichen seien die negativen Zahlen nach derzeitiger Erkenntnis am Standort Athen entstanden, für den zwei Millionen Euro eingeplant waren. Hier entstanden offenbar deutlich höhere Kosten, sagte Geselle. Die Frage, was in Athen von wem und zu welchem Zeitpunkt zu verantworten ist, müsse noch geklärt werden. Dies solle bis zur nächsten Sitzung des Aufsichtsrates im November geschehen. Vorher werde es keine personellen Konsequenzen geben.

Geselle und Rhein sicherten ferner zu, dass es auch 2022 eine documenta in Kassel geben werde. "Die documenta ist ein Glücksfall für Hessen und für Kassel", sagte Rhein. Auch an der künstlerischen Freiheit des Leiters wolle man festhalten. "Die Freiheit hat allerdings dort ihre Grenzen, wo sie die Institution der documenta als solche gefährdet" schränkte Geselle ein.

Die documenta 14 hatte einen Gesamtetat von 34 Millionen Euro. An den beiden Standorten Kassel und Athen wurden insgesamt 1,2 Millionen Besucher gezählt. Damit ist die documenta 14 nach eigenen Angaben die meistbesuchte Kunstausstellung aller Zeiten. "Sie war interessant, kontrovers und besucherstark", würdigte Boris Rhein die am Sonntag zu Ende gegangene Schau.

Internet: www.stadt-kassel.de

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