Kultur
Buchmesse-Direktor Boos: Mit Wissen gegen Fake News
Börsenverein des Buchhandels fordert bessere Rahmenbedingungen für Verlage
Frankfurt a.M. (epd). Der Direktor der Frankfurter Buchmesse, Juergen Boos, hat die stabilisierende Rolle der Buchbranche in einer zunehmend unübersichtlichen Welt hervorgehoben. "Wo tiefe Risse nahezu alle Gesellschaften prägen und Fake News die journalistische Berichterstattung herausfordern, wächst der Wunsch nach fundiertem Wissen und gut recherchierten Nachrichten", sagte Boos am Dienstag vor der Eröffnung der Buchmesse. Verlagen komme hier eine enorme Bedeutung zu. "Wir liberal-demokratisch gesinnten Büchermenschen müssen in Zeiten, in denen giftige Narrative Hochkonjunktur haben und die Verbreitung von Angst und Hass wieder gesellschaftsfähig wird, mit attraktiveren Gegenentwürfen antworten."

Der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Heinrich Riethmüller, kritisierte, dass in vielen Teilen der Welt Kulturschaffende von Despoten "drangsaliert, inhaftiert und mit dem Leben bedroht" würden. Er erinnerte an den Blogger Raif Badawi in Saudi-Arabien, den Buchhändler Gui Minhai in China sowie den deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel und die Übersetzerin Mesale Tolu in der Türkei. Es sei unsäglich, wie das Menschenrecht auf freie Meinungsäußerung an so vielen Orten mit Füßen getreten werde.

Riethmüller nannte die Verlage Garanten für Verständigung, verlässliche Informationen und Meinungsbildung. Für ihr unabhängiges und lebendiges Funktionieren benötigten sie aber auch sichere gesetzliche Rahmenbedingungen. Deswegen müsse sich die neue Bundesregierung unter anderem dafür einsetzen, dass Verlage wieder über die Verwertungsgesellschaft Wort eine Vergütung erhalten können, wenn ihre Werke privat kopiert oder sonst genutzt werden. Problematisch für die kleineren Verlage seien auch die Einschränkungen des Wissenschaftsurheberrechts. Auch hier müsse die künftige Bundesregierung aktiv werden, forderte der Börsenvereinsvorsteher.

Vorsichtig optimistisch gab sich Riethmüller hinsichtlich der wirtschaftlichen Situation der Verlage. Trotz erheblicher Medienkonkurrenz habe die Branche ihren Umsatz in den vergangenen zehn Jahren auf einem gleichbleibend hohen Niveau halten können. Nach einem Plus von einem Prozent im Jahr 2016 habe sie bis Ende September ein Minus von einem Prozent gegenüber dem Vorjahr registriert. "Allerdings erwarten wir ein gutes Herbst- und Weihnachtsgeschäft mit starken Bestsellern", sagte Riethmüller.

Auch Markus Dohle vom multinationalen Verlagskonzern "Penguin Random House" zeichnete ein positives Zukunftsbild. Seit dem Start der digitalen Transformation der Medienindustrie vor etwa 15 Jahren seien die Buchmärkte in den meisten Ländern langsam, aber kontinuierlich gewachsen. "Rückenwind" bekomme die Branche vor allem durch das Bevölkerungswachstum in Ländern wie Indien und Brasilien und den erfolgreichen Kampf gegen den Analphabetismus. Hoffnung mache in vielen Ländern auch das Wachstum in der Kategorie "Kinder und Jugendbücher". Penguin Random House ist die größte Publikumsverlagsgruppe der Welt mit mehr als 250 Verlagen auf fünf Kontinenten.

Die Buchmesse wird am Dienstagabend von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron eröffnet. Gastland ist in diesem Jahr Frankreich. Zur Eröffnung werden neben den beiden Staatschefs auch der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) sprechen. Die literarischen Redner, die vom Ehrengastkomitee ausgewählt werden, sind der Schriftsteller Wadi Mouawad und die Schauspielerin Judith Rosmair.

Zur weltweit größten Bücherschau haben sich rund 7.150 Aussteller aus 106 Ländern angemeldet. Rund 280.000 Besucher werden in den Ausstellungshallen und zu den mehr als 4.000 Veranstaltungen mit mehr als 600 Autoren erwartet, darunter Dan Brown, Cecilia Ahern, Ken Follett, Reinhold Messner und Sebastian Fitzek. Am Wochenende öffnet die Messe traditionell ihre Tore für das allgemeine Publikum. Zum Abschluss wird am Sonntag in der Paulskirche der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen. Er geht in diesem Jahr an die Kanadierin Margaret Atwood.

Die Buchmesse ist für Fachbesucher bis 13. Oktober geöffnet, für Privatbesucher am 14. und 15. Oktober. Öffnungszeiten sind am Samstag von 9 Uhr bis 18.30 Uhr und am Sonntag von 9 Uhr bis 17.30 Uhr.

Für Privatbesucher kostet eine Tageskarte 19 Euro bzw. ermäßigt 14 Euro, die Wochenendkarte 30 Euro, jeweils einschließlich des öffentlichen Nahverkehrs. Für Kinder bis sechs Jahre ist der Eintritt frei.

Internet: www.buchmesse.de, www.boersenverein.de

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