Kirche
Bischof Kohlgraf: Lehmann war mir ein väterlicher Begleiter
Mainz (epd). Nach dem Tod von Kardinal Karl Lehmann hat sein Nachfolger als katholischer Bischof von Mainz, Peter Kohlgraf, seiner Trauer Ausdruck verliehen. Bereits in den vergangenen Tagen, als das Bistum über den besorgniserregenden Gesundheitszustand Lehmanns informierte, seien viele Menschen in den Dom gekommen und hätten für Lehmann gebetet, sagte Kohlgraf am 11. März. "Mit Kardinal Karl Lehmann ist wirklich ein großer Mensch von uns gegangen."

Es sei schmerzlich zu sehen gewesen, wie Lehmann in den vergangenen Wochen die Kräfte verließen, sagte Kohlgraf. Der Altbischof sei aber immer von sorgenden Menschen umgeben gewesen. "Auch heute Nacht war er nicht allein. Er ist gut vorbereitet und in innerem Frieden in die Begegnung mit unserem Herrn gegangen, an den er geglaubt und den er ein Leben lang verkündigt hat", sagte der Bischof. Lehmann wird am Mittwoch, 21. März, im Mainzer Dom beigesetzt. Vor dem Gottesdienst wird der Verstorbene in der Mainzer Seminarkirche, wo die Aufbahrung stattfindet, ab 14 Uhr verabschiedet und in einem Trauerzug durch die Innenstadt in den Dom überführt.

Kohlgraf sagte, er verdanke Lehmann persönlich viel. "Er stand mir mit Rat und Tat zur Seite. In vielen Begegnungen habe ich ihn als väterlichen Begleiter erleben dürfen." In den Jahrzehnten als Bischof und Vorsitzender der Bischofskonferenz habe der Kardinal die Herzen vieler Menschen erreicht und sich hohen Respekt erworben. "Liebevoll nennen ihn die Gläubigen der Diözese Mainz 'unseren Karl'". In der Bischofskonferenz sei es ihm immer wieder gelungen, die unterschiedlichen Positionen ins Gespräch zu bringen. Wie kaum ein anderer habe er theologische Bildung und pastoralen Einsatz verbunden.

Kardinal Karl Lehmann starb am 11. März im Alter von 81 Jahren. Lehmann galt in den vergangenen Jahrzehnten als einer der prägendsten Repräsentanten der katholischen Kirche, von 1987 bis 2008 war er Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Er genoss den Ruf eines verhältnismäßig liberalen Vordenkers und besonnenen Reformers. Nach seiner Emeritierung mit 80 Jahren im Mai 2016 hatte er im vergangenen September einen Schlaganfall und eine Hirnblutung erlitten. Das Bistum Mainz rief am Sonntag alle Pfarreien zu einem 30-minütigen Totengeläut auf.

Lehmann, der Philosophie und Theologie studierte, empfing 1963 die Priesterweihe. Von 1962 bis 1965 nahm er als Mitarbeiter des Theologen Karl Rahner (1904-1984) am Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) teil, dessen weitreichende Beschlüsse die Öffnung der römisch-katholischen Kirche hin zur modernen Welt und zur Ökumene einleiteten. Ab 1968 unterrichtete er als Theologieprofessor an den Universitäten Mainz und Freiburg, bis er 1983 von Papst Johannes Paul II. zum Bischof von Mainz ernannt wurde.

Im langwierigen Streit um den vom Vatikan geforderten Ausstieg der katholischen Kirche aus der Schwangerenkonfliktberatung musste Lehmann sich 1999 einem Machtwort von Johannes Paul II. beugen. 2001 verlieh der Papst dem Mainzer Bischof überraschend die Kardinalswürde, nachdem Lehmann zuvor auffallend lange nicht in den Kreis der Kardinäle aufgenommen worden war.

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