Ethik
Bischof Hein fordert bessere Aufklärung über Organspenden
Kassel (epd). Menschen, die sich zu einer Organspende bereiterklärt haben, benötigen nach Auffassung des kurhessischen Bischofs Martin Hein mehr Information und Beratung. So wüssten viele etwa nicht, dass eine Organentnahme nach der Diagnose Hirntod aus einem noch lebenden Körper erfolge, sagte Hein auf einer Tagung der Evangelischen Akademie Hofgeismar zum Thema Organspende am 14. September in Kassel. Körperfunktionen könnten auch nach Eintritt des Hirntodes noch in Kraft sein und der Sterbende verspüre bei der Organentnahme möglicherweise sogar Schmerzen.

Es gehe nicht darum, die Organspende generell zu verhindern, betonte Hein. Eine Organspende müsse aber auf freiwilliger Basis erfolgen. Eine Widerspruchslösung, bei der jedem, der sich nicht ausdrücklich dagegen ausspreche, Organe entnommen werden können, lehne er ab. "Die Gesellschaft darf in dieser Frage keinen ethischen Druck ausüben", ergänzte Frauke Josuweit vom Evangelischen Zentrum Frauen und Männer in Hannover. Wichtig sei auch, Organe nur unter Vollnarkose zu entnehmen, um mögliche Schmerzen zu vermeiden.

Cornelia Coenen-Marx von der Agentur Seele und Sorge hob hervor, dass auch seelsorgerliche Begleitung und die Einbeziehung der Angehörigen von großer Bedeutung seien. Eine Organentnahme sei für Angehörige oft sehr irritierend. "Die Trennung von Geist und Körper funktioniert nicht", sagte sie. Ein von den Evangelischen Frauen in Deutschland herausgegebener Organspendeausweis weise auf die Problematiken hin.

Der Deutsche Ethikrat, dem Hein angehört, ist sich darüber einig, dass der Hirntod ein ausreichendes Kriterium für die Entnahme von Organen zur Spende an Kranke ist. Unterschiede gibt es aber in der Bewertung des Hirntodes: Für eine Mehrheit ist der Hirntod gleichbedeutend mit dem Tod des Menschen, für eine Minderheit, zu der auch Bischof Hein zählt, gilt das nicht zwangsläufig. "Der Hirntod ist ein notwendiges, aber kein hinreichendes Kriterium für den Tod des Menschen", sagte er. Der Dissens zeige, dass in der Gesellschaft über das Thema noch weiterer Gesprächs- und Klärungsbedarf bestehe.

Internet: www.akademie-hofgeismar.de

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