Kirche
Bischof Hein: "Europa braucht eine Seele"
Kassel (epd). Rein ökonomische Interessen werden nach Auffassung des kurhessischen Bischofs Martin Hein die Europäische Union nicht zusammenhalten können. Der Satz des ehemaligen Kommissionspräsidenten Jaques Delors, dass Europa eine Seele brauche, sei nach wie vor aktuell, sagte Hein in Kassel der landeskirchlichen Medienagentur "medio". Erfreulich sei in diesem Zusammenhang, dass gerade für junge Menschen Europa völlig außer Frage stehe. Hier habe sich in den vergangenen 50 Jahren unendlich viel Positives entwickelt.

Hein wandte sich in dem auf der Internetseite der Landeskirche veröffentlichten Interview ferner ausdrücklich gegen Panikszenarien im Hinblick auf die Zukunft der EU. Im großen und Ganzem bleibe die Politik berechenbar und verlässlich, betonte er. Zugleich rief er dazu auf, für Europa zu beten, wie es ja auch für die Geschicke in den Ländern anderer Kontinente getan werde. "Ein Glaube, der nur agiert und sich nicht in Gott verankert weiß, wird schnell kurzatmig", sagte Hein.

Um die Demokratie in Deutschland mache er sich keine Sorge, so Hein weiter. Die Landtagswahlen hätten gezeigt, dass der Hype um die AfD zurückgehe. Die demokratischen Institutionen in Deutschland seien ausgesprochen verlässlich, sie sollten daher auch nicht schlecht geredet werden. Eine Prognose für die Bundestagswahl wolle er nicht wagen, entscheidend aber werde wohl die Frage der Sicherheit sein. "Wer das Thema innere und äußere Sicherheit im Wahlkampf nach vorne bringt, wird - so vermute ich - die Wahl gewinnen", sagte er.

Zurückhaltend äußerte sich Hein zur kürzlich vom Bundestag beschlossenen "Ehe für alle". Für die Landeskirche ändere sich hier zunächst einmal nichts, da vor einiger Zeit die Segnung von gleichgeschlechtlichen Menschen zugelassen worden sei. Eine Stellungnahme zu dem Beschluss selbst setze einen großen Konsens der kirchenleitenden Gremien voraus, die in der Kürze der Zeit aber noch nicht tagen konnten. Außerdem stehe das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes noch aus. Er selbst habe mit der Bundestagsentscheidung als solcher keine Probleme, wolle aber den Begriff der Ehe weiterhin auf Mann und Frau bezogen sehen.

epd lmw cp koc