Politik
1.000 Freitagsgebete gegen Hass und Rassismus
Zentrale Veranstaltung der UN-Wochen in Raunheim - Mazyek kritisiert Seehofer
Raunheim (epd). Mehr als 300 Muslime und Gäste aus Religionen und Politik haben am 16. März in der marokkanischen Assadaka-Moschee im hessischen Raunheim am Zentralen Freitagsgebet im Rahmen der UN-Wochen gegen Rassismus teilgenommen. Nach der auf Deutsch und Arabisch gehaltenen Predigt von Imam Sheikh Mubarak sprachen der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, der Bürgermeister der Stadt Raunheim, Thomas Jühe (SPD), sowie der Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinden in Hessen, Daniel Neumann (Darmstadt).

Mazyek betonte, dass der Islam "in seinen Grundfesten" anti-rassistisch sei. Vor Gott und dem Propheten Mohammed zählten weder die Herkunft noch die Religionszugehörigkeit oder die Hautfarbe, sondern nur der Glaube. Zugleich rief er dazu auf, für ein friedliches Zusammenleben in Deutschland einzustehen und Hass, Rassismus und Menschenfeindlichkeit zu bekämpfen.

Mazyek nahm auch Stellung zur Aussage von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) in der "Bild"-Zeitung (Ausgabe vom 16. März), der Islam gehöre nicht zu Deutschland. Diese Woche mit den zahlreichen Angriffen auf muslimische Einrichtungen und der Schließung der Kölner Geschäftsstelle des ZMD wegen einer anonymen Morddrohung gegen ihn selbst sei für ihn äußerst nervenaufreibend gewesen, sagte Mazyek. "Und dann noch einen solchen Satz zu hören", bedrücke ihn sehr.

Er sei sicher, sagte Mazyek, dass die dahinter stehende Strategie Seehofers, damit Wähler aus dem rechten Parteienspektrum für die Union zurückzugewinnen, nicht aufgehen werde. "Die Menschen werden das Original wählen, nicht die Kopie." Wer Rechtsextreme bekämpfen wolle, müsse Rassismus und Menschenfeindlichkeit bekämpfen. Überdies forderte der Zentralratsvorsitzende den Minister auf, für die Sicherheit von muslimischen Gebetshäusern und Kultureinrichtungen zu sorgen und dies zu einem zentralen Thema der von ihm angekündigten Islamkonferenzen zu machen.

Neumann sprach angesichts brennender Moscheen und den "fast täglichen" Angriffen auf Muslime und Juden von einer "Schande für Deutschland". Gleichwohl bleibe die Mehrheit in der Gesellschaft stumm und ducke sich weg. "Wo bleibt der Aufschrei? Haben wir in den vergangenen 70 Jahren nichts gelernt", fragte er. Neumann appellierte an die Politik und die Zivilgesellschaft, Rassismus und Antisemitismus entgegenzutreten. Auch der weit verbreitete Judenhass von Muslimen müsse bekämpft werden. "Lassen Sie es nicht zu, dass der judenfeindliche Virus in Ihren Reihen gedeiht", appellierte er an die Gläubigen in der Assadaka-Moschee.

Der Raunheimer Bürgermeister Jühe bezeichnete das Zusammenwachsen von Deutschen und Migranten aus aller Welt in der 17.000-Einwohner-Stadt in unmittelbarer Nähe des Frankfurter Flughafens als "Daueraufgabe". Besonders wichtig seien die vielen interreligiösen und interkulturellen Begegnungen in der Stadt, in der Menschen aus 118 Nationen lebten. Gegen Sprachlosigkeit und Vorurteile würden "Persönlichkeiten mit Charisma und heißem Herzen" benötigt.

Nach den Worten von Jürgen Micksch von der Stiftung gegen Rassismus wurde am Freitag bundesweit in rund 1.000 muslimischen Gemeinden gegen Rassismus und für ein solidarisches Miteinander gebetet. Die Freitagsgebete seien von den teilnehmenden muslimischen Organisationen wie dem ZMD, der Ditib, der Gemeinschaft Milli Görüs und der Ahmadiyya Muslim Jamaat vorbereitet worden. Insgesamt seien während diesjährigen Wochen gegen Rassismus (12. bis 25. März) mehr als 2.000 Veranstaltungen geplant, so viele wie noch nie.

Die Wochen gehen auf einen Aufruf der Vereinten Nationen (UN) im Jahr 1979 zurück. Sie sollen an das Sharpeville-Massaker erinnern, bei dem am 21. März 1960 in Südafrika Polizisten 69 Menschen erschossen, die gegen das damalige Apartheid-Regime demonstrierten. Sechs Jahre später wurde der 21. März von den UN zum "Internationalen Tag zur Überwindung von Rassendiskriminierung" erklärt.

Internet: http://www.zentralrat.de, www.stiftung-gegen-rassismus.de, www.internationale-wochen-gegen-rassismus.de

epd lmw ds