Soziales
"Wir wollen die Kinder gut begleiten"
Drei Fragen an: Religionspädagogin Gerlinde Tröbs zur Bedeutung ihrer Berufsgruppe
Heilsbronn (epd). An diesem Freitag (12. Mai) treffen sich Religionspädagogen und Katecheten im mittelfränkischen Heilsbronn zu einem Studientag. Dieser will darauf aufmerksam machen, "wie unterschiedliche Berufsgruppen dazu beitragen, dass Kirche in einer sich wandelnden Gesellschaft an unterschiedlichen Orten präsent ist", heißt es in der Ankündigung. Der Verband evangelischer ReligionspädagogInnen und KatechetInnen (VERK) feiert an diesem Tag sein 60-jähriges Bestehen. Die Vorsitzende des VERK, Religionspädagogin Gerlinde Tröbs, erklärt, warum die Arbeit von Religionspädagogen und Katecheten heute so wichtig ist.

epd: Früher gehörte es einfach mit dazu, als Kind und Jugendlicher in den Reli-Unterricht zu gehen - das ist heute nicht mehr unbedingt so. Wie lässt sich der Nachwuchs dennoch begeistern?

Tröbs: Früher war es ja auch so, dass es mit dazugehört hat, in den Sonntagsgottesdienst zu gehen - das nimmt auch ab. Wir haben trotz solcher gesellschaftlichen Entwicklungen eine sehr hohe Beteiligung der evangelischen Kinder am Reli-Unterricht, vor allem in der Grundschule. Unser Ziel und unsere Aufgabe sind es, die Kinder und Jugendlichen gut zu begleiten, mit ihnen über ihre Fragen zu Gott und der Welt nachzudenken. Für mich ist ein guter Religionsunterricht einer, in dem Schüler und Schülerinnen spüren, dass der Glauben und die biblischen Geschichten auch eine Relevanz für ihr Leben haben, dass sie dort ihre Sorgen, ihre Ängste, ihre Zweifel artikulieren, aber auch ihre Freuden.

epd: Ihr Verband wird heuer 60 Jahre alt, ist Ihnen angesichts der sich wandelnden Gesellschaft und sinkenden Mitgliederzahlen in der Kirche überhaupt zum Feiern zumute?

Tröbs: (lacht) Naja, den eigenen 60. Geburtstag feiert man ja auch, obwohl man weiß, dass man einen Großteil seines Lebens schon hinter sich hat Aber im Ernst: Wir setzen uns für gute Arbeitsbedingungen der vertretenen Berufsgruppen ein, da ist schon viel erreicht, aber darauf darf man sich nicht ausruhen - man muss mit der Kirchenleitung weiter im Gespräch bleiben! Wir haben zum Beispiel immer wieder Probleme, dass die Religionspädagogen und Katecheten bis zu acht Einsatzschulen auf einer Vollzeitstelle haben. Da ist es schwer, Teil des Kollegiums zu sein. Auf Gemeindestellen gibt es immer wieder Reibungspunkte mit anderen Berufsgruppen, da setzen wir uns für klare Strukturen ein.

epd: Wenn man von Kirche spricht, meint man meist die Ordinierten, also die Pfarrer - ihre Berufsgruppen fallen da gedanklich oft hinten runter. Leiden Sie darunter und was müsste sich da ändern?

Tröbs: Wir kämpfen in der Tat immer wieder darum, auch gesehen zu werden oder die nötigen Informationen zu erhalten. Das liegt daran, dass wir als Berufsgruppe nicht - wie die Pfarrer - in kirchenleitenden Organen wie der Landessynode qua Amt vertreten sind. Da fordern wir schon länger ein sichtbares Zeichen der Veränderung, um auch unsere Berufsgruppe mehr mit in den Blick zu rücken und wertzuschätzen. Wir brauchen ein größeres Miteinander der Berufsgruppen, mehr Teamarbeit, weniger Konkurrenzdenken. Unsere Arbeit ist für die ganze Kirche wichtig! Die Schule ist ja oft noch der einzige Ort, an dem Kinder wieder mit Glaube und Kirche in Berührung kommen. Viele sind in ihren Gemeinden nicht mehr verwurzelt! (01/1450/08.05.2017)

epd lbm dsq as

epd-Gespräch: Daniel Staffen-Quandt