Ethik
Anne-Kathrin Kirchhof, Stellv. Vorstandsvorsitzende Germanwatch e.V
© epd-bild / Thomas Tjiang
Verbraucher wissen oft zu wenig
German-Watch-Vorstand Kirchhof beklagt mangelnde Transparenz
Nürnberg (epd). Mit seinem Lebensstil ist jeder deutsche Verbraucher dafür verantwortlich, dass 60 Menschen auf der Welt wie Sklaven leben. Das hat in Nürnberg die stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Nichtregierungsorganisation German-Watch, Anne-Kathrin Kirchhof, in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) gesagt. Solche Beschäftigten, die unter Bedingungen arbeiteten, die nicht den Menschenrechten entsprechen, lebten in unterentwickelten Ländern am Anfang der Produktionsketten und sorgten für den westlichen Wohlstand.

Als Beispiele nannte Kirchhof Kohle, die in Südamerika abgebaut und in Deutschland verstromt werde, oder Textilfabriken in Fernost. Bei der Produktion von Lebensmitteln oder einzelnen Bauteilen für Autos oder Smartphones gebe es für die Betroffenen zum Teil keine existenzsichernden Löhne und kein Recht auf Interessenvertretung. Ihre natürlichen Lebensgrundlagen wie Böden und Trinkwasser seien bedroht.

Der Normalverbraucher könne zwar auf Produkte mit Zertifikaten wie Fairtrade oder Bio zurückgreifen. Letztlich fehlten ihm aber viele Informationen zur Kaufentscheidung. Kirchhof rät den Verbrauchern daher zum Nachdenken: Wer zu billigen Textilien oder Kaffee greife, könne sich selbst grob ausrechnen, was für den Näher oder Kaffeepflücker an Lohn abfalle.

Daher dürften Unternehmen nicht nur auf Qualität und Preis bei ihrem Einkauf achten, sondern müssten auch verbindlicher die sozialen und ökologischen Umstände der Herstellung bei "Sub-, Sub-, Subbetrieben in den Blick nehmen", forderte Kirchhof. Manche Modefirma wisse gar nicht, wer letztendlich alles für die eigene Marke fertige.

Seit diesem Jahr gebe es das "Gesetz zur Stärkung der nichtfinanziellen Berichterstattung", das für große kapitalmarktorientierte Unternehmen eine Informationspflicht vorsehe. German-Watch und andere NGOs hielten das Gesetz aber für "nicht verbindlich genug", sagte Kirchhof

Kirchhof sieht aber auch einen Kulturwandel in der Gesellschaft. Mehr Transparenz durch das Internet oder auch die Gefahr, im Netz zur Zielscheibe zu werden, zwinge Unternehmer immer stärker, sich mit dem eigenen CSR-Management (Corporate Social Responsibility) zu beschäftigen. (01/2336/27.07.2017)

epd lbm ttj/jo moc

epd-Gespräch: Thomas Tjiang (epd)